DaimlerChrysler "E-Business ist nicht mehr aufzuhalten"

Seit zwei Jahren arbeitet der Autobauer mit der Beschaffungsplattform Covisint. Die Internetfirma ist mittlerweile im Konzern nicht mehr wegzudenken. Jochen Carle, Director E-Business bei DaimlerChrysler, berichtet von den Erfahrungen und von weiteren Vorhaben im Internet.

mm.de:

Sie arbeiten jetzt rund zwei Jahre mit der Internet-Beschaffungsplattform Covisint. Wie ist ihre Erfahrung?

Carle: Wir sind insgesamt mit Covisint viel zufriedener, als das vielleicht in der Außenwahrnehmung festgestellt werden kann. Wir nutzen inzwischen die Plattform für einen Großteil unserer Beschaffungsvorgänge. Dabei wird Covisint in den USA derzeit noch stärker eingesetzt als in Deutschland.

mm.de: Verlief die Umstellung zum Interneteinkauf problemlos?

Carle: Sicherlich hat die Entwicklung zu Covisint den Einzelnen eine Menge Veränderungen abverlangt. Wir fordern ja von unseren Mitarbeitern und auch von unseren Lieferanten ein völlig anderes Vorgehen.

Natürlich stießen wir anfangs auf eine gewisse Skepsis. Aber wir haben frühzeitig erkannt, dass es wichtig ist, die Beteiligten entsprechend zu schulen und von den Vorteilen der neuen Internet-Werkzeuge im Tagesgeschäft zu überzeugen. Mit Erfolg: Bis einschließlich September haben wir in diesem Jahr bereits über 500 Online-Bieteverfahren im Einkauf abgewickelt – exakt soviel, wie im Gesamtjahr 2001.

mm.de: Soll Covisint weiter ausgebaut werden?

Wie geplant werden wir unsere Zusammenarbeit mit Covisint noch durch einige Bausteine abrunden. Das betrifft zum Beispiel Themen wie Ausschreibungs- und Qualitätsmanagement. Im Standard-Qualitätsmanagement-Prozess nutzen wir bereits seit längerem die Software des Unternehmens Powerway, an dem DaimlerChrysler beteiligt ist.

Covisint hat sich vor Monaten dazu entschlossen, Powerway als Standardtool im Qualitätsmanagment anzubieten. Ford und General Motors haben sich ebenfalls entschieden, das Tool zu nutzen. Damit kann man die Prozesse durchaus noch effizienter gestalten.

Fünf Millionen Euro eingespart

mm.de: Vernetze Geschäfte – E-Business wurde ja schon fast tot geschrieben, aber ist es eigentlich noch wegzudenken?

Carle: Nein, dieser Prozess ist gar nicht mehr aufzuhalten. E-Business wird zu einem festen Bestandteil der gesamten Organisation werden. Sicherlich wird das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung zurückgehen, denn irgendwann ist E-Business so selbstverständlich wie ein Computer oder ein Telefon im Büro.

Und eines ist auch klar, so spektakuläre Durchbrüche wie in der Vergangenheit wird es auch nicht jeden Tag geben. Aber natürlich werden wir immer an der Weiterentwicklung der Prozesse und dem Einsatz der Applikationen im Tagesgeschäft arbeiten.

mm.de: Wie hoch sind die Einsparungen, die sie mit dem Einsatz von internetbasierenden Technologien erreichen?

Carle: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich dazu nicht ins Detail gehen kann. Aber ich möchte ihnen eine Vorstellung davon geben, und zwar für das "New Product Change Management“, dem von uns implementierten elektronischen Änderungsmanagement in der PKW-Entwicklung.

Dabei können alle involvierten Mitarbeiter den aktuellen Stand einer Produktänderung nachvollziehen, dokumentieren und analysieren, ob die Änderung bereits beschlossen wurde, bereits in der Umsetzung ist und welche Auswirkungen sie auf Gewicht und Kosten hat. Durch den Einsatz dieses Tool werden wir Prozess-Effizienzsteigerungen von etwa fünf Millionen Euro im Jahr verbuchen.

600 Gebrauchtwagen verkauft

mm.de: Haben sie angesichts der allgemeinen Konjunkturlage ihre IT-Investitionen eingeschränkt?

Carle: Nein, wir haben unsere Pläne umgesetzt. Wir haben unter der Krise nicht gelitten, sondern unser Investments in diesem Bereich wie schon in der Vergangenheit von Wirtschaftlichkeitserwägungen leiten lassen.

mm.de: Wie sieht Ihr Engagement im Endkundengeschäft aus – bleiben Sie dabei, auch künftig keine Neuwagen übers Internet zu verkaufen?

Carle: Ja, wir bleiben dabei, zumal der Internet-Vertrieb wie der Versandhandel dem Kunden ein 14-tägiges Rücktrittsrecht einräumt. Wir wollen unseren Vertriebspartnern auch kein Geschäft wegnehmen, sondern sie als integrales Glied in der Vertriebskette unterstützen. Und das kann durchaus auch ausführlich im Internet geschehen.

Außerdem wollen die Kunden nach wie vor das Kauferlebnis bei Neuwagen persönlich genießen – etwa mit dem Fuß an die Reifen kicken und das Leder riechen. Ganz anders sieht das aber bei Gebrauchtwagen aus. Besonders in den USA beobachten wir einen starken Trend hin zum Kauf via Internet. Deshalb haben wir in Deutschland vor gut einem Jahr ein Pilotprojekt lanciert, bei dem Mercedes-Benz-Gebrauchtwagen online gekauft und bis vor die Haustür geliefert werden können.

mm.de: Wie viele Wagen veräußern Sie durchschnittlich über dieses Angebot?

Carle: Wir verkaufen derzeit etwa 70 Autos pro Monat über diese Plattform. Insgesamt haben wir bislang knapp 600 Fahrzeuge im Gesamtwert von 14 Millionen Euro über das Internet abgesetzt.

mm.de: Sie sprachen von Pilotprojekt, planen Sie das Angebot auszuweiten?

Carle: Wenn wir genügend Erfahrung mit diesem Gebrauchtwagen-Angebot gesammelt und alle Möglichkeiten erprobt haben, wollen wir dieses Thema auch international ausrollen. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen.

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