Mobilfunk Netzbetreiber streiten mit Nokia und Co.

Noch in dieser Woche startet das Angebot "Vodafone Live", ein neuer Service des britischen Mobilfunkkonzerns. Bislang sind nur wenige Details des neuen Dienstes bekannt. Doch es gilt als sicher, dass die Mobilfunkbranche nun vor einem tiefgreifenden Umbruch steht.

Hamburg – Kennen Sie i-mode? M-Payment? Oder MMS? Die Betreiber von Mobilfunknetzen starten immer neue Dienste, die die Handybesitzer ins Netz locken.

Vodafone , T-Mobile, E-Plus oder O2 kümmern sich nicht mehr so sehr darum, Neukunden zu gewinnen. Die Herausforderungen liegen vielmehr darin, die Handynutzer so lange wie möglich im Netz zu halten. Denn nachdem der Markt für Handys weitgehend gesättigt ist – rund 80 Prozent der Deutschen besitzen ein mobiles Telefon – müssen die Unternehmen neue Wachstumsbereiche finden. Im Klartext: Der Umsatz pro Kunden muss wachsen. Angepeilt ist ein Umsatz pro Kunde von 40 bis 50 Euro (derzeit 25 bis 30 Euro).

In diesem Kontext startet Vodafone am kommenden Donnerstag europaweit sein neues Angebot "Vodafone Live". Soweit bekannt beinhaltet der neue Dienst ein eigenes Kamera-Handy und ein Sammelsurium aus kostenpflichtigen Services. Alleine die Werbekampagne zur Einführung des Dienstes lässt sich Vodafone 100 Millionen Euro kosten. Auch Konkurrent E-Plus hatte zum Start von i-mode kräftig die Werbetrommel gerührt und einen zweistelligen Millionenbetrag bereitgestellt.

Kampf mit Herstellern

Vodafone wie auch die Mitbewerber Orange, O2 und T-Mobile läuten mit den neuen Angeboten einen durchgreifenden Wandel in der Branche ein. Künftig kämpfen die Mobilfunkunternehmen nicht nur untereinander um die Kunden, sondern nehmen nun auch den Kampf mit den Handyherstellern auf. Auf eigenen mobilen Geräten, die von Fremdfirmen hergestellt werden, installieren sie ihre Software und Dienste.

Nokia, Motorola und Siemens sehen sich plötzlich in Konkurrenz mit den Netzbetreibern, die vornehmlich mit Herstellern der zweiten Reihe zusammenarbeiten. Noch entscheidet meist die Marke beim Kauf eines Handys. Vodafone und Konsorten hoffen aber, dass künftig die Zusatzangebote die Kaufentscheidungen prägen. So versuchen sie, die Hersteller eng an sich zu binden. Kooperiert ein Produzent nicht, wird eben ein eigenes Gerät hergestellt. Dann prangt nicht ein bekanntes Herstellerlogo, sondern das Emblem des Netzbetreibers auf dem Produkt.

Lange werden sich die großen Hersteller diese Entwicklung allerdings nicht ansehen, meinen Experten. Wie die Gegenstrategie aussehen könnte, ist jedoch ungewiss. Doch werden sie sich voraussichtlich für einen einheitlich Mobilfunkstandard einsetzen, der die technische Grundlage für die Service-Angebote darstellen soll. Dann könnten Kunden weiterhin Markenhandys nach Wunsch erstehen, sich den Service aber je nach Netzbetreiber aussuchen.

Machtkampf voll entfacht

Die Branchenkener sind sich dennoch einig: Eine weitreichende Umwälzung im Mobilfunkmarkt steht bevor. Spätestens mit dem Einläuten der UMTS-Ära, wird der Machtkampf zwischen Netzbetreibern und Herstellern voll entfacht sein, prophezeit Experte Roman Friedrich von Booz, Allen & Hamilton in der "Welt". Neue Datendienste bringen neue technische Anforderungen. Darüber hinaus dürfte auch der Markt für Inhalteanbieter noch einmal angekurbelt werden, besonders im Bereich lokaler Angebote.

Vodafone peilt 100.000 Kunden an

100.000 Kunden angepeilt

Als Killerapplikation gelten insbesondere die Multimedia Messages (MMS). Ein Bild hier, ein Bild dort – per MMS ist ein Foto schnell verschickt. Auch wenn MMS-Mitteilungen nur ein Teil der neuen Dienste ausmachen werden: Vodafone hofft im kommenden Weihnachtsgeschäft allein in Deutschland für Vodafone Live 100.000 Kunden zu gewinnen. Bis März 2003 sollen es europaweit sogar eine Millionen sein.

Optimistische Vorgaben – besonders da die Deutschen bislang nur zögerlich MMS nutzen. Laut Presseberichten liegt die Zahl gerade mal bei 30.000 Kunden. Auch bei E-Plus läuft den Berichten zufolge der mobile Dienst i-mode nur langsam an. Bislang soll das Unternehmen nur 77.000 Kunden gefunden haben, auch wenn einer Befragung des Marktforschungsunternehmens PbS zufolge 86 Prozent der i-mode-Kunden sehr zufrieden oder zufrieden sind.

MMS - nur im eigenen Netz

So basteln die Mobilfunkunternehmen trotz schwierigen Marktumfeldes an den mobilen Zukunftsvisionen. Fleißig wird an neuen Produkten und Angeboten gearbeitet – von mobilen Bezahlsystemen (Vodafone, T-Mobile, Orange, Telefonica) bis hin zum Fahrkartenverkauf per SMS (Berliner Verkehrsbetriebe). Auch die Handyhersteller stellen indes ihre UMTS-Handys vor wie jüngst Siemens und versprechen noch bessere Nutzungsmöglichkeiten als mit GPRS.

Doch in der Gegenwart hapert es teilweise an den technischen Entwicklungen, die zum Teil noch nicht massentauglich sind. Allein beim Verschicken von MMS-Mitteilungen stoßen die Kunden derzeit noch auf ein gravierendes Hindernis: Ein Austausch der MMS-Mitteilungen zwischen den unterschiedlichen Netzen ist zum größten Teil nicht möglich, da die Verbindungen zwischen den einzelnen Netzen der verschiedenen Betreiber noch nicht freigeschaltet sind. Doch dieses Manko soll bald beseitigt sein, hießt es.

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