E-Plus UMTS-Netz im Sonderangebot

Der Mobilfunker E-Plus will offenbar das UMTS-Netz von Mobilcom übernehmen. Dafür will die KPN-Tochter auf eine Forderung von über 600 Millionen Euro verzichten.

Düsseldorf – Das Mobilfunkunternehmen E-Plus will das UMTS-Netz von Mobilcom  kaufen. Im Gegenzug verzichtet E-Plus auf eine Forderung von mehr als 600 Millionen Euro, die Mobilcom derzeit nicht bedienen könne, berichtet die "Financial Times Deutschland". Eine E-Plus-Sprecherin bestätigte Gespräche mit dem Büdelsdorfer Telekomunternehmen. "Es gibt Gespräche mit KPN", sagte auch ein Sprecher von Mobilcom. Die genannte Summe bezeichnete er allerdings als "nicht korrekt".

Die Übernahme des UMTS-Netzes wäre für E-Plus ein günstiges Schnäppchen, denn bislang hat Mobilcom bereits 1,1 Milliarden Euro in die Netzwerktechnik von Nokia und Ericsson investiert. Das bisherige Ergebnis: Mobilcom erreicht schon jetzt 17 Prozent der Bevölkerung, bis Ende 2005 muss die Reichweite bei 25 Prozent liegen - so will es die Vorschrift. Die KPN-Tochter E-Plus könnte nun mit dem Zukauf somit zu den Wettbewerbern Vodafone  und T-Mobile aufschließen, die ebenfalls am Aufbau des UMTS-Netzes arbeiten.

Sollte das "Tauschgeschäft" tatsächlich erfolgen, könnte die Rettung des angeschlagenen Telefonunternehmens Mobilcoms näher rücken. Allerdings haben die Büdelsdorfer ursprünglich mehr als 8,4 Milliarden Euro allein für die UMTS-Lizenz gezahlt, Kosten für den Aufbau des Netzes sind darin nicht enthalten. Allein den Wert der Lizenz schätzen Experten derzeit auf eine Milliarde Euro.

Ob E-Plus mit einem "Gebot" von etwa 600 Millionen Euro tatsächlich den Zuschlag für das Netz erhalten wird, oder ob Mobilcom noch einen anderen Interessenten findet, der möglicherweise für Lizenz und Netz mehr bietet, ist bislang unklar. "Es geht um ein kompliziertes Vertragswerk", so der Mobilcom-Sprecher, deshalb sei es nicht so einfach, eine klare Zielgröße zu nennen. Details wollte er nicht nennen, jedoch hoffe das Unternehmen, die Verhandlungen bald abzuschließen. In Branchenkreisen wird unterdessen auch das asiatische Unternehmen Hutchison als potenzieller Käufer für gehandelt.

Eine unbekannte Größe stellt indes die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation dar. Bis dato untersagt sie den Handel mit UMTS-Lizenzen. Den Forderungen der Telekom-Branche, das Verbot zu lockern, ist die Behörde bisher noch nicht nachgekommen. Ob und wann sie auf die Forderungen eingehen könnte, ist noch offen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.