Vivendi Universal/Vodafone "Ein letztes und bestes Angebot"

Die Übernahmeschlacht um den französischen Telekomkonzern Cegetel tobt. Vodafone-CEO Chris Gent macht den Anteilseignern verlockende Angebote. Vivendi-Chef Fourtou will dagegenhalten und bemüht sich um frische Kredite. Doch am Ende wird der britische Mobilfunkgigant wohl das Rennen machen.

Paris/Hamburg – Vivendi Universal will sich offenbar nicht kampflos von seinen Anteilen am französischen Telekom-Konzern Cegetel trennen. Nachdem die britische Vodafone Group  den Cegetel-Miteignern BT Group, SBC Communications  und auch Vivendi  selbst milliardenschwere Offerten gemacht hatte, sucht der angeschlagene Misch- und Medienkonzern jetzt Geldgeber, um seinerseits die Kontrolle über Cegetel zu erlangen.

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Le Figaro" versucht Vivendi, von seinen Gläubigerbanken zusätzliche Kredite in Höhe von drei Milliarden Euro zu erhalten. Der Konzern besitzt ein Vorkaufsrecht auf die Anteile der anderen Cegetel-Investoren. Derzeit hält Vivendi 44 Prozent an dem Telko-Konzern. Die BT Group  besitzt 26 Prozent, SBC 15 Prozent.

Die verbleibenden 15 Prozent werden bereits von Vodafone gehalten. Der weltweit zweitgrößte Mobilfunkanbieter will nun die restlichen Beteiligungen übernehmen, um über die Cegetel-Mobilfunktochter SFR seine bisher schwache Position in Frankreich auszubauen.

In Großbritannien, Deutschland und Frankreich wäre Vodafone im Falle einer Totalübernahme auf den drei wichtigsten Märkten in Europa entweder Nummer eins oder Nummer zwei. SFR hat in Frankreich etwa 13 Millionen Kunden und ist damit stärkster Anbieter hinter Orange, der Mobilfunktochter der France Telecom.

13 Milliarden Euro für das Cegetel-Abenteuer

Bei seiner Expansion scheut Vodafone-Chef Chris Gent keine Kosten – 13 Milliarden Euro lässt er sich das Cegetel-Abenteuer kosten. BT soll für seine Anteile vier Milliarden Euro erhalten, SBC 2,27 Milliarden Euro. Vivendi schließlich liegt ein verlockendes Angebot über 6,77 Milliarden Euro vor.

Doch Vivendi-Chef Jean-René Fourtou hält sich bedeckt. Eigentlich müsste er dringend seine Schulden in Höhe von derzeit 17 Milliarden Euro abbauen. Unlängst kündigte der Konzernlenker an, dabei Unternehmensbeteiligungen des unübersichtlichen Konglomerates auf den Prüfstand zu stellen.

Bei Cegetel hingegen hielt sich Fourtou bisher mit klaren Aussagen zurück. Branchenkenner sehen darin ein geschicktes Taktieren, um den Preis für die Beteiligung in die Höhe zu treiben. Tatsächlich hatte es bis zum Freitagnachmittag auch noch keine direkte Antwort auf die Vodafone-Offerte gegeben.

Dabei müsste Vivendi längst nicht so viel investieren wie Vodafone. Die Übernahme der SBC-Anteile würde den Franzosen reichen, um sich Cegetel zu sichern. Der Verlust des Telekom-Konzerns hingegen würde die Position von Vivendi in Europa weiter schwächen. Nachdem bereits die Verlagssparte veräußert wurde, bliebe am Ende lediglich der Pay-TV-Kanal Canal Plus. In den USA hingegen wäre der Konzern mit der Musik-, Film- und Unterhaltungssparte weiter gut aufgestellt.

Wann wird Vivendi weich?

Chris Gent erhöht den Druck

Chris Gent erhöhte zuletzt den Druck. Es handele sich um ein konstruktives Angebot "im besten Interesse" des Großaktionärs Vivendi Universal, sagte der Vodafone-Chef am Donnerstag vor Journalisten. Er gehe davon aus, dass Vivendi-Chef Fourtou das Angebot "intensiv studiere". Entscheiden muss sich Vivendi bis zum 30. Oktober. Es handele sich um "das letzte und beste" Angebot, so Gent weiter.

Dennoch ist Gent nach wie vor darum bemüht, das Ganze nicht in einer feindlichen Übernahmeschlacht á la Mannesmann enden zu lassen. Vor zwei Jahren hatte er mit dem Kauf des deutschen Konzerns für Unruhe in der hiesigen Unternehmenslandschaft gesorgt. Entsprechend betont Gent jetzt den "freundlichen Charakter" seiner Initiative.

Wann wird Vivendi weich?

Börsianer rechnen damit, dass Vivendi nachgeben wird. "Cegetel ist zwar eine von Vivendis größten Cashcows. Dennoch wird Fourtou wohl verkaufen", sagt Peter Dombeck, Analyst der Hamburger Berenberg Bank, gegenüber manager-magazin.de.

"Der Abbau des enormen Schuldenberges hat Priorität. Zudem müsste ein Bankier in der derzeitigen Situation schon viel Mut aufbringen, um Vivendi das notwendige Kapital zur Verfügung zu stellen", so Dombeck weiter. Erleichtert wird die Entscheidung gegen Cegetel nach Ansicht des Analysten durch das "faire Angebot" von Vodafone.

Tatsächlich scheint die Bereitschaft der Banken, Vivendi Darlehen zu gewähren, äußerst gering. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP lehnen es die Institute ab, dem Unternehmen zusätzliche Kreditlinien für den Kauf weiterer Cegetel-Anteile zur Verfügung zu stellen.

Allerdings werde erwogen, Vivendi die Aufnahme von Geldern am Kapitalmarkt zu ermöglichen, um eine Übernahme Cegetels durch Vodafone abzuwehren.

Eine Entscheidung wird indes nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das Vorverkaufsrecht für die Cegetel-Anteile der Miteigner gilt nur noch bis zum 10 November. Dann hat Vodafone freie Bahn.

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