Bertelsmann Verhaltene Expansionslust

Konsolidierung und Wachstum - der Medienkonzern orientiert sich um. Während das Unternehmen sich aus verlustreichen Internetgeschäften zurückzieht, will es in Asien und den USA expandieren.

Frankfurt - "Wir manchen eine Mischung aus Konsolidierung und Vorwärtsbewegung", sagte Gunter Thielen. Der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann erklärte vor dem Wirtschaftspresseclub in Frankfurt die Strategie des Konzerns.

Demnach soll Bertelsmann weiter wachsen, aus eigener Kraft - aber auch durch Zukäufe. Besonders großes Potenzial sieht der Konzernchef dafür in Asien und den USA. Das Marktumfeld sei derzeit in China besser als in den USA und in Deutschland. In Japan wolle Bertelsmann mit einem Partner das Buchverlagsgeschäft aufbauen, sagte Thielen. Einen Buchversand werde es jedoch zunächst nicht geben.

In den USA kann sich der Konzernchef vorstellen, das Verlagsgeschäft voranzutreiben. Das Tochterunternehmen Random House könnte dort zukaufen. Im TV-Geschäft sieht Thielen ebenfalls Expansionsmöglichkeiten. Für interessant hält er dabei die Regionen Spanien und Osteuropa.

"Das Internet wird sich durchsetzen"

Einen Rückzieher will der Manager bekannterweise aus dem verlustreichen Internetgeschäften machen. Bei der Musiktauschbörse Napster ist der Stecker bereits gezogen. In Schweden und den Niederlanden soll BOL verkauft werden, in Deutschland und Schweiz wird es eingestellt. Am Internetportal Lycos werde der Konzern aber festhalten, so Thielen.

Sanierungsbedarf sieht der Vorstandsvorsitzende noch bei der Internetagentur Pixelpark, die ihr Servicegeschäft in die Profitabilität führen müsse. Dies sei Aufgabe des Vorstandes. Erst am Donnerstag hatte die Internetagentur Umstrukturierungen angekündigt. Dennoch redet Thielen das Internet nicht tot: "Das Internet wird sich durchsetzen. Es wird weiter einen wichtigen und steigenden Anteil haben, aber nicht als eigenes Geschäft, sondern als weitere Vertriebsform."

Die Printmedien müssten zur Kenntnis nehmen, dass sich das Internet durchgesetzt habe. Die Zeitungen und Zeitschriften stehen nach Überzeugung von Thielen in einem "strukturellen Wandel". Ein großer Teil des Anzeigengeschäftes sei ins Internet abgewandert und werde teilweise nicht mehr zurückkommen. Doch auch hier gelte, dass die Krise eine "Zeit für Unternehmer" sei.

Die Zeitungen müssten konstruktiv nachdenken, wie sie ihr Geschäft erhalten. Selber wolle der Konzern jedoch nicht in das Tageszeitungsgeschäft einsteigen. Erst im Sommer dieses Jahres hatte der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Verlag Gruner + Jahr von der "Berliner Zeitung" und dem "Berliner Kurier" getrennt.

Auf der Verkaufsliste steht auch der Fachverlag Bertelsmann/Springer. Jedoch müsste durch die Veräußerung mindestens eine Milliarde Euro erzielt werden, sagte Thielen. Ziel sei es vor allem, die Verschuldung des Konzerns zu reduzieren. Durch die Übernahme des Musikverlags Zomba würde die Verschuldung des Konzerns auf bis zu 4 Milliarden Euro hochgetrieben. Intern liege die Verschuldungsgrenze jedoch bei 2 bis 2,5 Milliarden Euro.

Vorbereitungen auf den Börsengang

Thielens Ziel ist es, 2003 in allen Bereichen wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Auch den bisherigen Sorgenkindern BMG und Direct Group soll dies gelingen, bei der Direct Group geht der Manager zumindest von einem ausgeglichenen Ergebnis aus. Der Manager bereitet damit Bertelsmann auch auf einen möglichen Börsengang vor.

Zwar lässt der Vorstandsvorsitzende keine eigenen Börsenpläne für den Konzern erkennen, der Gesellschafter Groupe Bruxellles Lambert (GBL), der mit 25,1 Prozent an Bertelsmann beteiligt ist, hat jedoch die Möglichkeit, sein Aktienpaket ab 2005 an der Börse zu platzieren.

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