Zeitungen Vom Springer-Modell und anderen

Die Werbe- und Anzeigenkrise macht besonders den Zeitungen zu schaffen. Nun sind die Verlage gefordert, Kosten und Prozesse zu optimieren. Dabei verfolgen die Häuser unterschiedliche Wege.

München - Mit beinah täglichen Meldungen über Stellenabbau und Einstellung von Zusatzangeboten liefert der deutsche Zeitungsmarkt derzeit selbst Stoff für Schlagzeilen. Insolvenzen, Entlassungen und Abwicklung von Objekten sind keine Seltenheit mehr. Die Verlage stehen unter Druck und müssen die Prozesse und Kosten optimieren. Dabei zeigen sich die unterschiedlichen Strategien der einzelnen Medienhäuser.

Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner verteidigte beispielsweise die Entscheidung, redaktionelle Teile von "Welt" und "Berliner Morgenpost" zusammenzulegen. Mit dieser Maßnahme sorgte der Manager in der gesamten Branche für aufsehen, verwirklichte er doch erstmalig eine Fusion, wie sie bis dahin nur aus dem Internetbereich bekannt war. Mit dem Ergebnis ist Döpfner zufrieden.

"Unsere eigenen Erwartungen an Produktverbesserung und Kostenreduzierung sind weit übertroffen worden", erklärte Döpfner. Die "Morgenpost" habe mit der Konzentration auf die Regionalberichterstattung an lokalem Gewicht gewonnen, während zugleich die Kosten der Blätter drastisch reduziert worden seien.

Springer kein Vorbild

Für den stellvertretenden Chef der Holtzbrinck-Gruppe Michael Grabner, dessen Haus unter anderem die "Zeit" und den Berliner "Tagesspiegel" herausgibt, ist das Springer-Modell gemeinsamer Redaktionen dagegen kein Vorbild. Die Branche müsse sich betriebswirtschaftlich auf niedrigere Umsätze einstellen und entsprechend Kosten reduzieren.

"Es ist ganz einfach: Wenn der Umsatz etwas größer ist als die Kosten, machen wir auch wieder Gewinn", betonte der Verlagsmanager, der davor warnte die Zeitungsbranche schlecht zu reden. Massive Einsparungen setzte vor allem die zur Holtzbrinck-Gruppe gehörende Verlagsgruppe Handelblatt durch. Die "Telebörse" wurde eingestellt und Internetredaktionen aufgelöst. Auch das Flagschiff "Handelsblatt" wurde umstrukturiert.

Inhalte nicht verschenken

Süddeutscher Verlag unter Druck

Dirk Refäuter, Verlagsgeschäftsführer der "Süddeutschen Zeitung" warnte die Verleger, ihre langfristigen Ziele angesichts der aktuellen Probleme aus den Augen zu verlieren. Sein Blatt werde weiterhin die umfassende Marktführerschaft der überregionalen Zeitungen anstreben.

Refäuter räumte jedoch ein, der Verlag müsse nun vor allem wegen des dramatischen Rückgangs der Stellenanzeigen sehr schnell Kosten senken: "Die Zeit läuft uns weg", sagte Refäuter. Bei der anstehenden Sanierung werde der Verlag seine zahlreichen Aktivitäten neben dem Kerngeschäft überprüfen und notfalls Ballast abwerfen.

"Es geht darum, das Unternehmen auf ein neues Fundament zu stellen", sagte der Verlagschef. Angesichts der starken Umsatzverluste steht der Verlag unter hohem Druck. So wurde der Abbau von 600 Stellen bis Ende 2003 angekündigt. Zudem sollen einzelne Konzernbereiche verkauft werden. Gerüchten zufolge könnte demnächst ein Teil der Fachinformationssparte des Konzerns verkauft werden.

Inhalte im Internet nicht verschenken

Der Vorstandssprecher der Rhein-Main-Verlagsgruppe, Karlheinz Röthemeier, betonte, das Besorgnis erregende an der aktuellen Werbekrise sei, dass sie erstmals alle Bereiche betreffe - von der Firmenwerbung über die Stellen- und Immobilienannoncen bis hin zu den privaten KFZ-Kleinanzeigen. Die Verlage hätten daher auch mit den besten Anzeigenverkaufsmethoden kaum Möglichkeiten, der Konjunkturkrise entgegen zu wirken: "Wo keine Mitarbeiter gesucht werden, sind auch keine Stellenanzeigen zu akquirieren", sagte Röthemeier.

Einig waren sich alle Verlagsvertreter mit "Focus"-Chef Helmut Markwort, der forderte, künftig die Internet-Angebote der Verlage kostenpflichtig zu machen: "Wir können unsere Inhalte doch nicht verschenken", betonte Markwort. Springer-Chef Döpfner erklärte, sein Verlag werde den Aufwand für Internetangebote und Online-Redaktion auf einem Mindestmaß halten, bis im Netz die Bereitschaft gewachsen sei, für Inhalte auch zu bezahlen: "Für unser Haus heißt die Strategie Überwintern", so Döpfners Losung.

Verwandte Artikel