Werbemarkt Aufschwung lässt auf sich warten

Strategiewechsel, Kündungen, Einstellungen - wie ein Erbeben erschütterte die Werbeflaute die Medienhäuser. Nun warten alle auf Besserung. Doch der Werbemarkt wird sich wohl erst 2004 wieder beleben.

München - Der deutsche Werbemarkt wird auch im kommenden Jahr die schwache Konjunktur spüren. Mit einem Aufschwung rechnen Branchenexperten erst im Jahr 2004.

"2003 wird kein wirklich gutes Jahr für die Werbewirtschaft, der konjunkturelle Aufschwung kommt zu spät", sagte Josef Trappel vom Marktforschungsinstitut Prognos am Donnerstag. Anlässlich der Medientage in München stellte das Institut seine aktuellen Erkenntnisse vor.

Tageszeitungen am heftigsten betroffen

Nach einem Umsatzrückgang in der Branche von 7,4 Prozent im laufenden Jahr stellte er für 2003 aber immerhin ein moderates Wachstum von zwei Prozent in Aussicht. Dabei werde der Markt am Jahresanfang stagnieren und sich erst in den letzten Monaten deutlich nach oben bewegen. "Erst ab dem Jahr 2004 ergibt sich für den Werbemarkt wieder eine uneingeschränkt positive Perspektive." Prognos erwartet dann ein Wachstum von 6,7 Prozent.

Im laufenden Jahr wird die deutsche Werbeindustrie zum zweiten Mal in Folge einen Umsatzrückgang verbuchen - "ein absolutes Novum", wie es bei Prognos heißt. Das größte Minus mit 10,7 Prozent werden dabei die Tageszeitungen verzeichnen, die zum Beispiel bei den Stellenanzeigen Einnahmeeinbrüche von mehr als 50 Prozent beklagen.

Angst vor struktureller Krise

Das Fernsehen, der zweitgrößte Werbeträger hinter den Tageszeitungen, muss der Prognos-Studie zufolge 2002 einen Rückgang der Werbeeinnahmen von 8,2 Prozentverkraften. Nur die Internet-Werbung wächst weiter - um knapp 13 Prozent in diesem Jahr. Für den TV-Werbemarkt sieht der Vorstandschef des TV-Konzerns ProSiebenSat1 Media , Urs Rohner, im nächsten Jahr eine Stagnation. Allerdings seien Prognosen derzeit noch schwer zu machen. Ende 2000 hätten die Marktforschungsinstitute auch noch ein durchschnittliches Wachstum des TV-Werbemarktes von sechs bis acht Prozent jährlich vorausgesagt. "Das ist aber nicht eingetroffen." Rohner sieht zumindest im Fernsehgeschäft keine strukturelle, sondern nur eine konjunkturelle Krise: "Das Fernsehen wird ein gutes Geschäft bleiben, aber nicht mehr mit den Wachstumsraten der 90er."

Bei den Tageszeitungen, die nach Prognos 2003 mit einem niedrigen Wachstum der Werbeeinnahmen von 2,1 Prozent rechnen dürfen, herrscht dabei die Furcht, das Anzeigengeschäft nachhaltig an das Medium Internet zu verlieren und es damit auch mit einer strukturellen Krise zu tun zu haben.