AOL Deutschland Auf Sparkurs

Kaum im Amt kündigt der neue Deutschlandchef Stanislas Laurent an, alle Positionen des AOL-Time-Warner-Ablegers auf den Prüfstand zu stellen. Auch ein Personalabbau wird nicht ausgeschlossen.

Hamburg/Düsseldorf - Erst am Mittwoch wurde der neue Chef von AOL Deutschland benannt: Stanislas Laurent löst den langjährigen Chef Uwe Heddendorp ab, der das Unternehmen offenbar auf eigenen Wunsch verlässt.

Der 34-jährige Laurent, der seit Mai 2002 als Vizepräsident bei AOL Europe tätig war, macht sich flugs an die Arbeit und wiederholt das bekannte Ziel, schwarze Zahlen präsentieren zu wollen. Der Manager ist für die Online-Dienste AOL und Compuserve sowie die Internet-Portale Aol.de, Compuserve.de und Netscape.de verantwortlich. An erster Stelle stehe, die Weichen so zu stellen, dass die Gewinnzone erreicht werde, sagte der gebürtige Franzose dem "Handelsblatt".

Wieder einmal stehen deshalb alle Posten auf den Prüfstand, denn die Kosten müssen gesenkt werden. Einen Personalabbau könnte Laurent nicht ausschließen, heißt es weiter. Zunächst werde "jeder einzelne Ausgabeposten einschließlich der Marketingaufwendungen" vom Management überprüft.

AOL Deutschland ist der zweitgrößte Internetzugangsanbieter Deutschlands mit deutlichem Abstand zur Nummer eins T-Online. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Deutschland rund 1400 Mitarbeiter.

Experten schätzen, dass der Internetableger des Konzerns AOL Time Warner  im vergangenen Jahr einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet hat. Dabei heißt es, der Umsatz liege bei 300 Millionen Euro, der Verlust sogar bei 400 Millionen Euro. Für AOL Europe gehen Branchenkenner davon aus, dass 2001 ein Umsatz von 800 Millionen Dollar erreicht wurde, der Verlust aber bei 600 Millionen Dollar lag.

Aus den USA hat AOL Europe die Vorgabe erhalten, die Verluste um die Hälfte reduzieren zu müssen. Wie Laurent dem "Handelsblatt" weiter sagte, gebe es zwei Wege in die Profitabilität. Zum einen müsse bei den Kosten gespart werden, zum anderen müssten die Produkte noch stärker auf die Wünsche der Kunden ausgerichtet werden.

Bei den Zugangstarifen wolle Laurent aber in der nächsten Zeit nichts ändern, allerdings solle das Breitbandgeschäft weiter ausgebaut werden. Bislang zählt AOL in Deutschland erst rund 150.000 DSL-Kunden, die Telekom hat dagegen 2,7 Millionen Breitbandkunden. Da der Konzern erst kürzlich die Preise für T-DSL angehoben hatte, starteten mehrere Wettbewerber Preisoffensiven.