Freitag, 19. Juli 2019

FAZ Abschied von ambitionierten Projekten

Bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wird weiter abgebaut. In der Internetredaktion sollen 40 Stellen gestrichen werden. FAZ.net wird mit FAZ.de verschmolzen.

Frankfurt – Der Verlag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" setzt seinen Sparkurs weiter fort. Nun sollen 40 Stellen in der Internetredaktion von FAZ.net abgebaut werden.

Zwischenspiel im Internet: FAZ.net
Der Onlineauftritt FAZ.net, der erst Anfang 2001 mit großem Aufwand gestartet worden war, soll mit FAZ.de zusammengelegt werden. Das Frankfurter Verlagshaus verabschiedet sich damit weitgehend vom elektronischen Business.

Vorbei ist der Traum vom großen Wachstum im World Wide Web. FAZ.net war erst spät in den Markt eingetreten - nach Ansicht vieler Fachleute zu spät. Anfang 2001 war der Internetboom bereits beendet und die konkurrierenden Marken längst etabliert.

Reichweitensteigerung durch Zukäufe

Um dennoch mithalten zu können, versuchte FAZ.net, seine Reichweite über Zukäufe zu steigern. Einige Monate nach dem Start wurden von der Duisburger Vocal Web Publishing GmbH die Nutzungsrechte an mehreren Domains erworben, darunter www.boersenmagazin.de, www.boersenlexikon.de, www.os-investor.de und www.boersenspiel.de, die nun direkt auf FAZ.net verlinken. Diese Maßnahme trug entscheidend dazu bei, die Zahl der Seitenabrufe von FAZ.net auf zuletzt 13,68 Millionen Page Impressions (September) zu steigern.

In Zeiten knapper Mittel zeigte sich jedoch, dass auch hohe Seitenabrufe keine Garantie für schwarze Zahlen sind. Ähnlich wie andere Angebote standen bei FAZ.net den hohen Kosten keine ausreichenden Einnahmen aus Kooperationen und Vermarktung gegenüber.

Verschärft wurde die Situation durch die zunehmende Werbekrise und die wirtschaftlichen Unsicherheiten im Gefolge des 11. September. Die Anzeigen blieben aus, und das machte es nicht nur für das Internet schwer, sondern für die gesamte Medienbranche.

Besonders den großen Stellenmarkt der "FAZ" traf es hart (minus 52 Prozent). Erstmals landete das Verlagshaus am Ende eines Jahres in den roten Zahlen. Das Unternehmen ergriff weitreichende Sparmaßnahmen. Mitarbeiter wurden entlassen, die Berliner Seiten eingestellt, Beilagen und Sonderseiten gestrichen, Anzeigenblätter verschwanden vom Markt.

Auch FAZ Business Radio ist schwer angeschlagen

Nun steht der Bereich Electronic Business auf dem Prüfstand, und offenbar soll hier weitgehend reduziert werden. FAZ.net geht auf in FAZ.de, der Internetauftritt, der nur noch Zugang zu den Artikeln der Printausgabe der "FAZ" bietet.

Viel Hoffnung dürfte auch nicht mehr für das FAZ Business Radio bestehen. Gestartet hatte der Verlag das ambitionierten Hörfunkprojekt erst im Jahr 2000 in Berlin. Von da aus ging es nach München, dann nach Frankfurt. Doch der Ausstieg aus dem Radiogeschäft ist offenbar besiegelt.

Verkauf der Deutschen Verlags-Anstalt?

"In München ist nun definitiv Schluss", sagte der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, der "Süddeutschen Zeitung". Dort klopft bereits der Burda-Verlag als neuer Betreiber an die Tür - für sein Projekt "Focus"-Radio. Dass auch die anderen FAZ-Radio-Standorte Frankfurt und Berlin dem Weg der Münchner Niederlassung folgen werden, gilt in der Branche mehr als wahrscheinlich - auch wenn der Frankfurter Verlag die Schließung des Münchener Radios nicht kommentieren will.

Doch abseits vom investitionsbedürftigen elektronischen Geschäft denkt die Verlagsgruppe offenbar auch über einen Verkauf der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) nach. Zumindest berichtet das die "Stuttgarter Zeitung". Das Verlagshaus mit Titeln wie "Bild der Wissenschaft", "Natur & Kosmos" und "Deutsche Bauzeitung" wird im laufenden Geschäftsjahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro erwirtschaften, doch das Ergebnis ist rot.

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