ZDF Sparzwang und Verjüngung

In der Werbekrise - Senderchef Schächter muss das Programmschema umbauen.

Mainz – Die Krise am Werbemarkt hat auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender erreicht. Jetzt reagiert das ZDF auf die fallenden Reklameeinnahmen mit Kosteneinsparungen. Gleichzeitig soll das Programm für jüngere Zuschauergruppen attraktiver machen.

"Wir werden auch im Programm sparen", sagte ZDF-Intendant Markus Schächter am Freitag nach der Sitzung des Fernsehrates. Programme, die nicht zum Kerngeschäft gehörten, würden gekürzt, manche Senderechte an Randsportarten nicht mehr erworben. Das Sparvolumen soll sich auf 50 Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Der Werbemarkt habe sich unvorhersehbar und dramatisch verschlechtert, begründete der Senderchef die Maßnahmen. Dem ZDF würden rund 100 Millionen Euro im Vergleich zur vierjährigen Finanzplanung für die Jahre 2001 bis 2004 fehlen.

Dabei habe der Sender die Ausgaben schon kräftig gekürzt und auf manche Vorhaben ganz verzichtet. Deshalb, so Schächter, brauche das ZDF nun die Hilfe der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) und des Gebührengesetzgebers, um eine angemessene Finanzausstattung zu erhalten.

Neues Programmschema für die Jungen

Mit einem neuen Programmschema will der öffentlich-rechtliche Sender zudem ab Januar das Angebot für jüngere Zuschauer erweitern. Zusätzliche Sendeplätze für Dokumentationen sollen gleichzeitig das Profil des ZDF als Informationssender stärken.

Wettbewerbsfähig könne das ZDF nur mit einem moderneren Programm bleiben, erläuterte der Intendant, der dem Fernsehrat am Freitag sein Strategiepapier vorstellte. Mit 58 Jahren liegt das durchschnittliche Alter eines ZDF-Zuschauers über dem Gesamtdurchschnitt von 51 Jahren.

Mit Krimiserien im Doppelpack, einem Comedy-Sendeplatz am Samstagabend und nachmittäglichen Naturdokumentationen in Konkurrenz zu den Gerichtsshows der privaten Sender will das ZDF Zuschauer werben. Die Unterhaltungsshow am Dienstagabend wird in dem neuen Programmschema durch eine Dokumentationsserie ersetzt.

Neu gemischte Karten bei den WM-Rechten

Den Erwerb des Sportrechtegeschäfts der insolventen KirchMedia durch das Management der Schweizer Kirch Sport AG um den Ex-Nationalspieler und ARD-Kommentator Günter Netzer begrüßte Schächter. Zu dem Paket gehören auch die Senderechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, für die sich die öffentlich-rechtlichen Sender interessieren.

Ziel sei es, diesmal alle 64 WM-Spiele live im freiempfangbaren Fernsehen zu senden, betonte der Intendant. Bei der WM im Sommer hatten ARD und ZDF dem Vertrag mit der Kirch-Gruppe gemäß nur 25 Spiele übertragen dürfen.

Bei den Nachverhandlungen über die WM-Übertragung war es mehrfach zur Auseinandersetzung zwischen der KirchMedia-Geschäftsführung und den Öffentlich-Rechtlichen gekommen. "Wir sind gespannt, was uns das Konsortium anbietet", sagte Schächter.

WM-Rechte: Fight ums Free-TV

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