Amazon Bezos' Visionen

Gründer Jeff Bezos will das Web-Unternehmen zum universellen Konsumtempel ausbauen. Die Vorteile eines Sammel-Kaufhauses hat auch Abebooks, die Plattform für antiquarische Bücher, für sich entdeckt.

München – "Der Markt ist groß, da ist Platz für viele Mitbewerber", sagt Jeff Bezos der "Süddeutsche Zeitung". Der Gründer eines der größten Internetunternehmens weltweit ist zu Besuch in München – das vierjährige Bestehen der hiesigen Amazon-Niederlassung feiern.

Das Unternehmen wird in circa zwei Wochen seine Quartalszahlen präsentieren. Noch sind Experten skeptisch, ob Amazon seinen Traum verwirklichen kann, einmal ein gewinnabwerfendes Unternehmen zu werden. Zwar hat Amazon bereits einmal für ein Quartal schwarze Zahlen vorgelegt, doch kritisch betrachten die Analysten den circa zwei Milliarden Dollar hohen Schuldenberg, den das Unternehmen vor sich her schiebt.

Eine Plattform für alles und alle

Doch Amazon-Chef Bezos macht schon mal gut Stimmung. Auf die Frage, ob Amazon 2002 Gewinn abwerfen werde, vertröstet er die "SZ". "Warten sie ab". Die derzeitige Flaute im Buchhandel macht dem Unternehmen keine großen Sorgen. "Amazon ist nicht allein vom Buchgeschäft abhängig", so Bezos. Es seien stetig neue Produkte eingeführt werden.

Tatsächlich finden Nutzer in Deutschland beispielsweise seit einiger Zeit einen Bereich, um auch antiquarische Bücher zu verkaufen und zu kaufen. Daürber hianus können auch Antiquariate das Angebot nutzen - wie beispielsweise die Antiquarats-Plattform Abebooks. Sie gab am Freitag eine Kooperation mit Amazon bekannt. Ziel ist es, die über 40 Millionen gelisteten Bücher bei Abebooks auch bei Amazon.de verfügbar zu machen, hieß es. Neben Büchern ist die Palette der produkte aber schon längst größer geworden. In den USA werden sogar schon Gebrauchtwagen über Amazon verkauft.

"Unsere Vision ist der Aufbau einer Plattform, auf der die Kunden alles finden können", so Bezos. Amazon verabschiedet sich offensichtlich immer mehr davon, ein Medienkaufhaus zu sein. "Wir haben nicht den Ergeiz, alles selber zu machen", sagt Bezos. Um einen Online-Markt aufzubauen, in dem der Kunde alles finden kann, werde das Unternehmen tausende von Partnern benötigen. Die Realisierung brauche Jahrzehnte. Der Konzern stehe erst am Anfang.

Amazon geht einen eigenen Weg. Um die Konkurrenz kümmere sich das Unternehmen nicht, sagt Bezos der Zeitung. Ob Bertelsmann sich zu früh aus dem Internetgeschäft herausgezogen habe, stellt die Zeitung die Frage. Bezos äußert sich dazu nicht weiter: "Fragen sie Bertelsmann". Nach Informationen von manager-magazin.de verhandelt Amazon selbst über eine Übernahme des Web-Unternehmens Bertelsmann Online (BOL).