Yahoo Kampf gegen die Kostenlos-Kultur

Das Internetunternehmen legte überraschend gute Zahlen vor. Analysten stufen das Papier nach oben. Franz Dillitzer, Deutschlandchef von Yahoo, spricht mit mm.de über die Pläne in Deutschland.

mm.de:

Herr Dillitzer, Yahoo hat trotz Werbeflaute glänzende Zahlen vorgelegt. Was waren Ihre Umsatztreiber?

Franz Dillitzer: Die Werbewirtschaft verbessert sich wieder, allerdings gibt hier Amerika den Trend vor. Dort stiegen die Werbeerlöse im dritten Quartal um 22 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres. Gleichzeitig entwickeln sich die Premium Services in den USA besonders erfreulich. Vor kurzem wurde in den USA zum Beispiel "Games on Demand" gelauncht.

Das Wachstum ist aber auch auf die Angebote für den Business-to-Business- und den Zugang im Breitbandbereich zurückzuführen, den wir hier bisher leider nicht, etwa durch das faktische Zugangsmonopol der Telekom, in diesem Umfang einführen können. Europa ist im Bereich der Bezahldienste sicher zwei Jahre hinter den USA zurück.

mm.de: Sicherlich hat aber die Übernahme von Hotjobs auch eine Rolle gespielt.

Dillitzer: Ja, die Umsätze beinhalten auch jene von Hotjobs.

mm.de: Alle reden von kostenpflichtigen Angeboten. Auch Yahoo hat bereits Angebote gegen Bezahlung. Was haben Sie in diesem Bereich weiter geplant?

Dillitzer: Wir können sagen, dass wir auf Grund unserer Erfahrungen im Bereich der Premium Services eine Pionierrolle inne haben. Auf Basis der bisherigen Erfahrungen sind wir überzeugt, dass diese eine vielversprechende Zukunft haben. Aber es müssen nutzenorientierte, technische und redaktionelle Angebote sein, die wirklich einen Mehrwert darstellen und einfach abzurechnen sind.

Ich gehe davon aus, dass wir kommendes Jahr in Europa einige dieser neuen Angebote, die in den USA bereits etabliert sind, einführen werden. Sehr positiv wurden bereits in diesem Jahr die Video-Highlights zur Fifa Fußballweltmeisterschaft und auch die mobilen Dienste bei Yahoo aufgenommen.

mm.de: Können Sie Beispiele für die neuen Angebote nennen?

Dillitzer: In 2003 werden wir unter anderem das so genannte Yahoo Personal einführen, ein Angebot, das mit Kontaktanzeigen vergleichbar ist. Des Weiteren sind Informationsdatenbanken im Finanzbereich geplant.

mm.de: Im Allgemeinen hapert es aber an der Bereitschaft, für Content im Internet zu zahlen. Glauben Sie, dass sich das mal ändern wird?

Dillitzer: Natürlich kämpfen wir hier zu Lande - ganz im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern - mit einer hartnäckigen Kostenlos-Kultur in Deutschland. Was immer wieder vergessen wird: Das Internet wird auch in Zukunft das günstigste Medium bleiben, das eine umfassende Grundversorgung liefert. Und es ist das einzige individualisierbare Massenmedium. Das alles bekomme ich schon für den Preis einer Tasse Kaffee.

Ich bin daher sicher, dass die Akzeptanz für bezahlpflichtige Angebote in Deutschland weiter zunimmt und dies neben der Erschließung neuer Zielgruppen auch zu Lasten der bestehenden Mediennutzung gehen wird. Sofern wir ein attraktives und kostenfreies Grundangebot haben und dies mit innovativen und nutzenorientierten Bezahlangeboten komplettieren, können wir auch weiterhin von einer wachsenden Akzeptanz für Premium Services ausgehen.

mm.de: Welche Rolle spielt die Werbung künftig bei Ihnen?

Dillitzer: Ungeachtet der guten Entwicklung der Premium Services werden wir uns weiterhin auf die Stärkung des Anzeigengeschäftes fokussieren. Die prozentuale Verteilung von Premium Services im Vergleich zu Werbeanzeigen liegt in Deutschland derzeit bei 20 zu 80.