Süddeutscher Verlag Greift die WAZ zu?

In der Branche krusieren die Gerüchte. Verkauft das Münchener angeschlagene Verlagshaus seine Regionalzeitungen oder Fachzeitungen?

München - Der Süddeutsche Verlag erwägt Angaben aus Branchenkreisen zufolge den Verkauf von Geschäftsteilen. Demnach überlegt das Verlagshaus, das stark unter der allegemeinen Anzeigenflaute leidet, die Regionalzeitungssparte oder kleinerer Fachverlage zu veräußern.

"Natürlich wird über Verkäufe nachgedacht," hieß es am Donnerstag in den Kreisen. Geprüft werde zum Beispiel der Verkauf der Regionalzeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl, an dem der Süddeutsche Verlag mit 70 Prozent beteiligt ist. Dazu gehören unter anderem die "Frankenpost" in Hof und die "Neue Presse" in Coburg sowie weitere Titel in Thüringen und Sachsen. Auch einzelne Fachverlage, die in der Süddeutscher Verlag Hüthig Fachinformationen GmbH (SVHFI) gebündelt sind, könnten auf der Verkaufsliste landen, hieß es. Damit wolle sich der Verlag auf das Kerngeschäft um die "Süddeutsche Zeitung" konzentrieren.

Ein Verlagssprecher lehnte jedoch einen Kommentar ab. Es würden keine konkreten Verkaufsverhandlungen geführt, sagte er lediglich. Als möglicher Interessenten für die Regionalzeitungen könnte die Essener WAZ-Gruppe in Frage kommen. Da sie beim Axel Springer Verlag abgeblitzt ist, könnte sie sich auf die kleineren Verlage konzentrieren. Zudem hatte einer der Geschäftsführer in dem Fachblatt "Horizont" angedeutet, an Übernahmen interessiert zu sein.

Haken an einer möglichen Übernahme durch die WAZ-Gruppe: Da diese in Thüringen allerdings mit der "Thüringer Allgemeine", "Thüringische Landeszeitung" schon stark vertreten ist, könnte ein zusätzliches Engagement auf kartellrechtliche Probleme stoßen.

Die Krise auf dem Anzeigenmarkt hat die deutschen Zeitungsverlage schwer getroffen, die mit Sparmaßnahmen und zum Teil erheblichen Stellenstreichungen auf die Umsatzeinbrüche reagieren. Der Süddeutsche Verlag, der mit der "Süddeutschen Zeitung" die auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland nach der Boulevardzeitung "Bild" herausgibt, hatte 2001 einen Verlust von 43,9 Millionen Euro verbucht.

Im Juli kündigte das Münchener Verlagshaus den Abbau von zehn Prozent seiner 5000 Arbeitsplätze an und stellte das Jugendmagazin "jetzt" ein. Dabei gab es zum ersten Mal in der Geschichte des Verlags auch betriebsbedingte Kündigungen.