Microsoft Der kleinlaute Riese

Nicht einmal, sondern ständig sollen sie zahlen. Mit der neuen Lizenzierungspolitik erntete der Softwarekonzern heftige Kritik von den Firmenkunden. Nun räumt Steve Ballmer erstmals Fehler ein.

Orlando – Ungewohnte Töne bei dem Softwarekonzern Microsoft . Erst vor wenigen Wochen äußerte sich Gründer Bill Gates unzufrieden über die Entwicklung des weltweit größten Softwareunternehmens. Nun räumte Konzernchef Steve Ballmer am Mittwoch Fehler in der Lizenzpolitik ein.

Angesichts der schwachen Wirtschaftslage hätte er im Nachhinein möglicherweise auf das neue Lizenzmodell verzichtet, sagte Ballmer anlässlich einer Analystenkonferenz. Eine nachträgliche Änderung schloss er jedoch aus.

Microsoft hatte im vergangenen August ein heftig umstrittenes Modell zur Lizenzierung seiner Software für Firmenkunden eingeführt. Es soll dem Konzern zu dauerhaften Einnahmen verhelfen. Anstatt einer Lizenzgebühr sollen die Kunden ein festes Abo zahlen. Dafür können sie alle neuen Versionen eines Microsoft-Programms in einem bestimmten Zeitraum nutzen. Verzichtet ein Kunde auf regelmäßige Updates, muss er einen deutlich höheren Grundpreis für die Software bezahlen.

Unzufriedene Kunden

Wenig zimperlich zeigte sich der Konzern bei der Durchsetzung der Lizenzpolitik. Zur Einführung setzte Microsoft den Unternehmen ein Ultimatum. Wer bis zum 31. Juli die neuen Verträge nicht unterschreiben wollte, sollte danach den Vollpreis für die Software zahlen, hieß es. Von Gängelung und Bevormundung war seitens der Unternehmen die Rede. Doch damit nicht genug - Microsoft erhöhte den Druck: Der Softwarekonzern beschloss, die Unterstützung gängiger Produkte - zum Beispiel das Betriebssystem Windows NT 4.0 - Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen.

Die neue Konzernpolitik verärgerte Microsoft-Kunden heftig. Die amerikanischen Marktforscher der Yankee Group fanden bei einer Befragung von 1500 Unternehmen heraus, dass 40 Prozent der Firmen vor allem wegen der neuen Lizenzierungspolitik nach Alternativen für Windows Ausschau halten. Damit sei die Wechselbereitschaft so hoch wie nie, hieß es.

Was des einen Leid, ist des anderen Freud. Sun Microsystems  witterte beispielsweise einen Vorteil und kündigte an, im kommenden Jahr erstmals Personal Computer mit dem Betriebssystem Linux auf den Markt zu bringen. "Wir glauben, dass wir im Vergleich zu einem Windows-PC auf die Hälfte der Kosten kommen werden", sagte Sun-Chef und Microsoft-Erzrivale Scott McNealy. Ballmer konterte: "McNealy hat keine Ahnung, was ein Personal Computer ist. Er hat keine Idee, was Kunden wünschen."

Doch trotz Unzufriedenheit der Unternehmen - Ballmer zufolge hat ein hoher Anteil der Großkunden die neuen Lizenzvereinbarungen bereits unterzeichnet. Microsoft hätte seinen Kunden jedoch mehr Zeit einräumen und eine bessere Informationspolitik leisten müssen, räumt der Konzernchef ein.

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