Netzwerke Virtuelle Supercomputer

Im Grid liegt die Zukunft des Internets. Experten arbeiten bereits an einem der größten Computernetze weltweit. Dabei träumen sie auch von einer kommerziellen Nutzung des Supernetzes. Noch sind aber nicht alle Hürden genommen.

Böblingen/Berkeley - Wenn ein Computer nicht benutzt wird, ist er arbeitslos. Warum sollte man seine Rechenleistung also nicht für andere Zwecke einsetzen, zum Beispiel um nach Außerirdischen zu suchen?

Diese verrückte Idee haben Wissenschaftler an der Universität von Kalifornien in Berkeley mit ihrem Projekt SETI@home bereits vor mehreren Jahren in die Tat umgesetzt. Inzwischen machen sich auch Computerkonzerne wie IBM  daran, über die ganze Welt verstreute Rechner zu einem gewaltigen Netzwerk zusammenzuschließen, das "Grid" (Gitternetz) genannt wird. Daraus soll das Internet der Zukunft entstehen.

Außerirdische gesucht

Von der Homepage von SETI@home kann auf jeden PC ein Bildschirmschoner heruntergeladen werden, hinter dem sich ein Stück Software verbirgt. Dieses Programm durchforstet Radio-Signale aus dem Weltall nach Auffälligkeiten und schickt die Ergebnisse zurück nach Kalifornien. Etwa vier Millionen Menschen aus 123 Ländern helfen mit, die meisten aus den USA und Deutschland.

Zwar blieb die Suche nach E.T. bisher erfolglos, doch SETI@home ist ein gutes Beispiel für ein einfaches Grid-Projekt: Wenn ein einzelner Computer mit der Unmenge an Daten überfordert ist, springt ein über das Internet zusammengeschlossenes Netzwerk ein, das aus mehreren Rechnern, vielleicht sogar Tausenden besteht. Etwa bei Wetterprognosen, in der Gentechnik oder anderen komplizierten wissenschaftlich-technischen Berechnungen.

Inzwischen prophezeien die Experten dem Super-Internet auch eine kommerzielle Zukunft. "Grid-Berechnungen werden zunehmend im wirtschaftlichen Umfeld ihren Einsatz finden", meint Alexander Reinefeld vom Zuse-Institut Berlin.

Zum Beispiel müssten sich mittelständische Unternehmen keine Hochleistungsrechner mehr anschaffen, sondern könnten Rechenkapazität anmieten. Anderswo würden die Computer besser genutzt. Nach Einschätzung von Fachleuten sind heute selbst Großrechner im Schnitt tagsüber nur zu 5 bis 20 Prozent ausgelastet - aus ökonomischer Sicht eine traurige Bilanz.

Grid steht noch vor großen Problemen

In den Industrieländern sind längst von staatlicher Seite geförderte Grid-Projekte namens DataGrid oder Grip am Start. Doch genau wie das heutige Internet während seiner Entwicklung steht Grid noch vor großen Problemen: Wie wachsen die überall verstreuten Computer zusammen? Wie verstehen sie einander? Und wie werden die Daten vor Hackern geschützt?

"Dazu ist eine Art Grid-Betriebssystem notwendig", sagt Mirko Donié, Grid-Experte im Böblinger IBM-Labor. Zusammen mit der amerikanischen Grid-Initiative Globus arbeitet der Computerriese an einer solchen Software-Architektur, die auf offenen Standards basiert und damit nicht von einem Hersteller dominiert wird.

Kommplizierte Zusammenarbeit

Noch eine weitere Hürde haben die IBM-Forscher erkannt: Die Zusammenarbeit zwischen Grid-Computern ist so kompliziert und umfangreich, dass sie nicht allein von Menschen kontrolliert werden kann. Deshalb müssen Computer stärker als bisher dazu in der Lage sein, sich selbst zu managen oder auch auch zu reparieren. Dazu hat "Big Blue" unter dem Namen "eLiza" ein milliardenschweres Forschungsprogramm gestartet.

Die Herausforderungen in der Grid-Welt sind also vielfältig und reichen bis zum denkbaren Einsatz so genannter Cyber-Diplomaten, die im Fall eines Streits um globale Rechnerkapazitäten vermitteln. Bis das Internet der Zukunft steht, wird es noch ein Weilchen dauern. "Ich bin Optimist und rechne mit drei Jahren", meint Dietmar Erwin, Grid-Projektkoordinator am Forschungszentrum Jülich. Vielleicht haben die SETI@home-Mitstreiter ja bis dahin schon einen Außerirdischen entdeckt.

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