Kirch-Krise Commerzbank wechselt zu Rewe & Co.

Heute werden die aussichtsreichsten Kandidaten im Bieterwettbewerb um die insolvente KirchMedia benannt. Kurz vor der Entscheidung sorgte die Commerzbank für eine Überraschung. Das Kreditinstitut beendete die Zusammenarbeit mit den Columbia-Studios und bietet jetzt mit den Altgesellschaftern. Columbia verhandelt derweil mit dem Bauer-Konsortium.

Frankfurt/München - Die Commerzbank  wechselt im Bieterwettbewerb um die Überreste der insolventen KirchMedia das Team. Nach Angaben aus Finanzkreisen beendet das Kreditinstitut die Zusammenarbeit mit den Columbia-Hollywood-Studios. Stattdessen bietet die Bank nun gemeinsam mit den Altgesellschaftern.

"Das Konsortium von Commerzbank und Columbia befindet sich in Auflösung. Diese Entscheidung ist erst am Mittwoch gefallen", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Finanzkreisen. Die Commerzbank rechne sich mehr Chancen an der Seite der KirchMedia-Investoren um die Investmentbank Lehman Brothers, dem Handelskonzern Rewe und dem saudischen Prinzen Al-Waleed aus.

Dieter Schütz, Sprecher der Commerzbank, bestätigte den Wechsel gegenüber manager-magazin.de: "Das Bündnis war nicht tragfähig. Auch war das Gebot zu gering. Das Konsortium mit den Altgesellschaftern, bei dem die Commerzbank als deutsches Institut dabei sein wird, ist besser aufgestellt."

Lehman, Columbia und KirchMedia wurden demnach bereits über den Wechsel informiert. Ein grundsätzliches Einvernehmen über den Beitritt sei bereits signalisiert worden.

Derweil sucht auch Columbia nach neuen Partnern. Aus Bankenkreisen erfuhr manager-magazin.de, dass es "Absetzbewegungen der Filmstudios zum Bauer-Konsortium gegeben habe". Ein Sprecher des Heinrich Bauer Verlags, der mit dem Springer Verlag und der HypoVereinsbank ebenfalls für Kirch bietet, bestätigte entsprechende Gespräche. Konkrete Ergebnisse liegen demnach noch nicht vor.

Entscheidung im Gläubigerausschuss

Am Donnerstag will die KirchMedia-Geschäftsführung nach Angaben aus Unternehmenskreisen dem Gläubigerausschuss aus einem Kreis der bisher vier Bietergruppen ein oder zwei Konsortien vorschlagen, mit denen bei Zustimmung konkrete Verhandlungen über den Kauf des Filmrechtehandels und der Mehrheit an dem TV-Konzern ProSiebenSat1  aufgenommen werden soll.

Eine Entscheidung wird das Gläubigergremium, das seine Sitzung am Vormittag beginnt, möglicherweise schon über den separaten Verkauf des Sportrechtegeschäfts fällen. "Die Entscheidung über die Sportrechte steht auf der Tagesordnung", hieß es in Gläubigerkreisen. Dabei sei es wahrscheinlich, dass das Management der Schweizer Kirch Sport AG zusammen mit dem Finanzinvestor Robert Louis-Dreyfus den Zuschlag bekomme.

Neben dem Sport-AG-Management bietet die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Invision für den Vermarkter. Diese kooperiert mit den früheren Chefs der Kirch-Gruppe, Leo Kirch und Dieter Hahn. Nach einem Zeitungsbericht ist auch Sportfive, die gemeinsame Sportagentur von und Canal Plus, interessiert.

Seit der Insolvenz des früheren Medienimperiums von Leo Kirch im April 2002 suchen die Sanierungsexperten Wolfgang van Betteray und Heinz-Joachim Ziems nach Käufern für den Konzern. Ursprünglich sollte KirchMedia als Ganzes verkauft werden, nun werden die Sportrechte separat veräußert. Für den Rest hatten vier Konsortien verbindliche Angebote in der Spanne von 1,6 bis 2,0 Milliarden Euro abgegeben.

Neben der Commerzbank und Columbia und der Gruppe der Altgesellschafter bieten noch der französische Sender TF1 zusammen mit dem US-Milliardär Haim Saban, sowie eine Gruppe der Verlage Bauer und Springer zusammen mit der HypoVereinsbank .

Die Zusammensetzung der Bietergruppen galt aber schon in der Vergangenheit als keineswegs fest gefügt. Es sei durchaus denkbar, dass sich die Gruppen nach der Auswahl weiter ändern könnten, wenn sich herausgefallene Kandidaten anderen Gruppen anschlössen, hieß es aus verhandlungsnahen Kreisen.