Vivendi Universal Das große Ausmisten

Konzernchef Jean-René Fourtou verordnet dem aufgeblähten Medienkonglomerat eine rigorose Schlankheitskur. Zahlreiche Beteiligungen werden veräußert. Lediglich ein Teil des Mediengeschäftes und die Telekommunikations-Sparte sollen im Kern erhalten bleiben.

Paris/London/New York – Der angeschlagene Misch- und Medienkonzern Vivendi Universal  steht vor massiven Umstrukturierungen. Um den Schuldenberg von knapp 35 Milliarden Euro zu reduzieren, wird Vorstandschef Jean-René Fourtou Teile des Konglomerates verkaufen. Vivendi erwartet durch die Veräußerungen einen Erlös von 12 Milliarden Euro in den nächsten 18 Monaten.

Zum Vivendi-Imperium gehören unter anderem der Plattenkonzern Universal Music Group, die Universal-Hollywood-Studios, der größte europäische Pay-TV-Sender Canal Plus, Anteile am französischen Telekomkonzern Cegetel sowie die Verlagssparte Vivendi Publishing und der Internet-Bereich Vivendi Universal Net. Medien und Telekommunikation sollen nach dem Umbau als Hauptsäulen übrig bleiben.

Einer der ersten Posten auf der Verkaufsliste ist nach Medienberichten der Wasserversorger Vivendi Environnement (VE). Der Anteil von knapp 40 Prozent an dem Traditionsunternehmen, aus dem Fourtous Vorgänger Jean-Marie Messier durch rigorose Expansion den nach AOL Time Warner  weltweit zweitgrößten Medienkonzern schuf, soll laut VE-Chef Henri Proglio abgestoßen werden. Der Anteil sei derzeit 3,3 Milliarden Euro wert.

Neuer Name für Vivendi Environnement

"Fourtou möchte, dass beide Unternehmen eines Tages getrennt agieren", sagte Proglio am Dienstag bei Vorlage der Halbjahreszahlen. Gleichzeitig wird der Versorger wohl auch seinen Namen ändern.

Schon auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr könnte eine neue Firmenbezeichnung festgelegt werden, zitierte das "Wall Street Journal" den VE-Chef. Mit der Namensänderung wolle sich das Unternehmen von der Altlast des ehemaligen Chefs des Mutterkonzerns Vivendi Universal, Jean-Marie Messier, distanzieren.

Ebenso ausgesondert wird der 89-Prozent-Anteil an dem Pay-TV-Ausrüster Canal Plus Technologies Die Beteiligung geht für 190 Millionen Euro an den französischen Unterhaltungskonzern Thomson Multimedia.

Thomson sei bereits an Canal Plus Technologies beteiligt. Die Regulierungsbehörden müssten dem bereits vom Markt erwarteten Geschäft noch zustimmen, teilte der Bezahlfernsehsender Canal Plus am Mittwoch in Paris mit.

Murdoch übernimmt Telepiu

Murdoch übernimmt Telepiu

Die hoch defizitäre italienische Pay-TV-Tochter Telepiu wird vom Medienkonzern News Corp des australischen Verlegers Rupert Murdoch übernommen. Nachdem News Corp  Vivendi bisher 1,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatte, beläuft sich der Kaufpreis jetzt nur noch auf eine Milliarde Euro.

Nach einem Bericht der "Financial Times" (FT) will News Corp Telepiu nach einer Umstrukturierung mit dem eigenen Abofernseh-Anbieter Stream in Italien verschmelzen.

Medien und Telekommunikation

Bereits veräußert hat Vivendi die Internet-Tochter Vizzavi. Auch die Magazinsparte ("L'Express", "L'Expansion") hat bereits den Besitzer gewechselt. An der Verlagssparte haben bereits zahlreiche Investoren Interesse bekundet. Fourtou scheint bei der Verschlankung des aufgeblähten Konzerns auf gutem Wege zu sein.

Branchenkenner begrüßen den Schrumpfkurs. "Vivendi nimmt die Resultate von Messiers Expansion zurück. Es sieht so aus, als ob sie die Kurve kriegen", sagte Alia Baig von Axa Investment gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Vivendi hat den kritischen Bereich verlassen", sagte Bruno Ducros von Cardiff Asset Management. "Das Management sollte sich jetzt beeilen und den Fokus auf Medien und Telekommunikation richten. Das wäre sehr positiv zu bewerten."

Unklarer Kurs bei Cegetel

Als problematisch könnte sich dabei zusehends der Telekom-Bereich erweisen. Derzeit ist Fourtou offenbar bemüht, die 44-Prozent-Beteiligung von Vivendi an der zweitgrößten französischen Telefongesellschaft Cegetel zu erhöhen. Verhandlungen laufen mit der BT Group, die ihren 26-Prozent-Anteil veräußern will.

Allerdings gibt es mit der Vodafone-Gruppe , die ebenfalls Anteile an Cegetel besitzen, einen weiteren Interessenten. Unlängst prüften die Briten nach einem Bericht der "FT" die Erhöhung ihrer Beteiligung. Dies bedeute jedoch nicht, dass Vodafone die Kontrolle über die Telekommunikationssparte von Vivendi gewinnen wolle.

Eine endgültige Entscheidung haben die Vivendi-Verantwortlichen jedoch noch nicht getroffen. Wie es am Mittwoch in einer Mitteilung von Vivendi hieß, wird "jede Möglichkeit überprüft, die für die Anteilseigner von Vorteil wäre". Foutou sagte, das Unternehmen werde eine pragmatische und nicht-nationale Sicht auf die Anteile von Cegetel haben. Französische Politiker hatte sich in der Vergangenheit besorgt über den möglichen Einstieg eines ausländischen Unternehmens geäußert.

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