Video on Demand David gegen die Goliaths

Angeblich setzen die großen Hollywood-Studios unabhängige Filmanbieter im Internet mit Preisabsprachen unter Druck. Jetzt ist die Angelegenheit ein Fall für die US-Wettbewerbshüter.

Los Angeles – Noch Ende Juli gab sich Jonathan Taplin, Vorstandschef des Online-Filmdienstes Intertainer, beim Thema Hollywood versöhnlich. "Mit den Studios wird es keinen Ärger geben, wir sind schließlich keine Piraten", so Taplin.

Die Zeit der warmen Worte ist vorüber. Wie das "Wall Street Journal" am Dienstag berichtete, hat Intertainer Beschwerde bei der US-Kartellbehörde gegen AOL Time Warner , Sony  und Vivendi Universal  eingereicht.

Der Vorwurf: Mit ihrem Online-Joint-Venture Movielink LLC würden die Unterhaltungskonzerne die Lizenzpreise für ihre eigenen Filme in die Höhe treiben – zu Ungunsten von unabhängigen Anbietern wie Intertainer. Die Unterhaltungskonzerne würden demnach mit Preisabsprachen den Wettbewerb massiv beeinflussen.

Starke Partner im Hintergrund

Beim Angebot von Intertainer, das bislang nur in Teilen der USA verfügbar ist, können Abonnenten gegen Gebühr Filme auf dem heimischen PC ansehen. Die Streifen werden im Windows-Media-Video-Format via Breitbandverbindungen mit mindestens 580 kbit/s Datenrate und an Digital-TV-Kunden gesendet.

Trotz der begrenzten Reichweite gehört Intertainer mit 105.000 registrierten Nutzern zu den etablierten und vor allem legalen Vertriebsmodellen im Internet, die sich im Gegensatz zu den Piratenangeboten nicht einfach per Gerichtsbeschluss schließen lassen. 40 Prozent des Umsatzes gehen als Lizenzgebühr an die Filmstudios.

Dabei kann sich Intertainer auf starke Partner im Hintergrund verlassen. Zu den Investoren gehören unter anderem Comcast, Intel , Microsoft , NBC, Sony und Qwest.

Zwischenhändler kontra Unterhaltungsindustrie

Mit der sich anbahnenden Auseinandersetzung zwischen den Studios und dem Online-Anbieter setzt sich der Kampf zwischen der Unterhaltungsindustrie und ihren Zwischenhändlern fort. Schon seit über 20 Jahren versuchen Musik- und vor allem Filmkonzerne ihre Ware in Eigenregie zu vermarkten.

Derzeit beschäftigt sich die US-Kartellbehörde auch mit den Beschwerden von Online-Musikhändlern. Demnach haben die Internet-Angebote Probleme bei der Sicherung der Song-Rechte, die sie dringend für ihre Geschäfte benötigen. Die Plattenindustrie hatte bereits angekündigt, dass sie ihre Produkte auf eigenen Plattformen im Web absetzen will. Universal Music etwa hat jüngst eine eigene Musikbörse ins Internet gestellt.

Die US-Filmindustrie hingegen versucht schon seit 1980, einen eigenen TV-Kanal für den Direktvertrieb zu etablieren. Die Pläne mussten verworfen werden, nachdem die amerikanische Kartellbehörde den Ansatz als wettbewerbswidrig eingestuft hatte. Die Frage ist jetzt, ob die Kartellwächter die Internet-Angebote der Studios ähnlich einschätzen.

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