Axel Springer Verlag/Kirch Kassiert Kirch?

Leo Kirch attackiert erfolgreich Verlagschef Döpfner und Mehrheitsaktionärin Friede Springer. Die Aktivitäten der Springer-Geschäftsführung beim Kollaps von Kirchs Medienimperium werden jetzt Thema einer Sonderprüfung.

Berlin - Leo Kirch geht als Sieger aus der außerordentlichen Hauptversammlung des Axel Springer Verlags  in Berlin. Der gescheiterte Medienmogul erzwang am Dienstag nach mehr als achtstündigen Debatten eine Sonderprüfung der Aktivitäten der Geschäftsführung rund um Vorstandschef Mathias Döpfner. Damit will Kirch die Rolle von Europas größtem Zeitungshaus beim Zusammenbruch seines Medienimperiums unter die Lupe nehmen.

Der Filmrechtehändler wirft Döpfner und Mehrheitsaktionärin Friede Springer vor, ihn zum Rückkauf von Springer-Anteilen an der ProSiebenSat1 Media AG gezwungen und damit die Insolvenz seines Kerngeschäfts KirchMedia beschleunigt zu haben. "Sie wollten Leo Kirch durch die Erhöhung des finanziellen Drucks loswerden", sagte der Anwalt des Medienunternehmers, Roland Frohne.

Der 75-jährige Kirch und die Verlegerwitwe verfolgten als Aufsichtsratsmitglieder die Debatte. Neben dem Antrag auf Sonderprüfung setzte Kirch auch Forderungen nach Schadenersatz von Springer durch. Diese hätten jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen und könnten erst vor Gericht geregelt werden, verlautete aus Unternehmenskreisen.

"Kein Rachefeldzug"

An der Abstimmung durfte Mehrheitsaktionärin Friede Springer als Betroffene nicht teilnehmen. Damit setzte sich Kirchs PrintBeteiligungs GmbH, die die Springer-Aktien hält, durch. Die Sonderprüfung soll sich auch auf den Aufsichtsrat und die beiden Mehrheitsaktionäre erstrecken.

Durch die Kirch-Krise hätten Frau Springer und der Springer-Vorstand außerdem dem Verlag schweren Schaden zugefügt. "Es geht nicht um einen Rachefeldzug des Leo Kirch", begründete Frohne den Antrag auf Sonderprüfung sowie Schadenersatz. Kirch und Friede Springer nahmen als Aufsichtsratsmitglieder an der Versammlung teil.

Springer droht der Totalverlust

Der Axel Springer Verlag hatte Anfang des Jahres eine Option auf den Verkauf von 11,5 Prozent der Aktien an der ProSiebenSat1 Media AG  ausgesprochen und damit die Zahlungsschwierigkeiten Kirchs beschleunigt. Nach Frohnes Angaben hat Springer zuvor ein Angebot von Kirch abgelehnt, 28 Prozent an der Senderfamilie zu erwerben.

Stattdessen habe Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner auf Anweisung Friede Springers Ende 2001 auf die Ausübung der Verkaufsoption beharrt. Angesichts der Kirch-Krise sei dieses Paket, damals mit 767 Millionen Euro bewertet, heute praktisch wertlos, sagte Frohne. Springer drohe nun der Totalverlust dieser Forderung.

Vorwurf zurückgewiesen

Döpfner wies im Gegenzug eine Mitverantwortung an der Krise des Medienunternehmers Leo Kirch zurück. Die Ausübung einer Verkaufsoption für 11,5 Prozent der Anteile an Kirchs ProSiebenSat1 Media AG sei unausweichlich gewesen, sagte Döpfner auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag in Anwesenheit Kirchs in Berlin.

Der Vorstand blicke nun der beantragten Sonderprüfung der ausgeübten Put-Option gegen Kirch gelassen entgegen, hieß es. Diese würde den Nachweis "des ordnungsgemäßen Handelns der Organe der Gesellschaft zum Ergebnis haben", sagte Döpfner. Allerdings werde diese "erhebliche Management-Kapazitäten" binden und für Unruhe und Ablenkung im Unternehmen sorgen.

Kleinaktionäre kontra Kirch

Während der turbulenten Hauptversammlung äußerten sich mehrere Teilnehmer kritisch über Kirchs Aktivitäten. Der 75-Jährige verschwende mit seinen "juristischen Spielereien" die Zeit und das Geld der Aktionäre und schade dem Springer Verlag, sagte Kleinanleger Manfred Klein.

"Die Aktionäre möchten sich das nicht mehr bieten lassen, wir müssen uns dagegen wehren", stimmte Aktionär Horst Steinharter zu. Beide beantragten die Abberufung Kirchs aus dem Aufsichtsrat.