KarstadtQuelle Konzern wildert im Programmie-Markt

Alles für den Kunden: Die Warenhauskette startet in dieser Woche eine neue TV-Programmzeitschrift – zum Ärger der großen Verlage.

Essen – KarstadtQuelle  will gegen die Flaute im Einzelhandel vorgehen. Damit die Kunden dem Konzern weiterhin die Stange halten, steht die Bindung der Käufer ganz hoch im Kurs. An diesem Mittwoch startet der Konzern dafür eine eigene Fernsehzeitschrift: "TV Karstadt".

Das Heft berichtet alle 14 Tage über das TV-Programm und - ganz nebenbei – natürlich auch über die Neuigkeiten bei der Warenhauskette. Aber nicht nur das, auf den mindestens 156 Seiten finden die Leser Gewinnspiele, Berichte über Promis, Events und Trends. "TV Karstadt" sei ein "weiterer Baustein in der Multichannel-Strategie des Konzerns", hieß es in der Pressemitteilung. Verantwortlich für das TV-Programm ist der Deutsche Supplement Verlag, den redaktionellen Teil liefert der Münchener Verlag "Journal International".

Argwohn in der Medienbranche

Mit Argwohn betrachtet die Medienbranche das Engagement des Konzerns. Das Unternehmen, das eine Vielzahl von Sammelpunkte- und Bonusprogrammen lanciert hat, wildert nun im Markt der TV-Zeitschriften. Für 50 Cent ist das neue Blatt zu haben und liegt damit größtenteils unter den Preisen der Programmpresse.

"Jedes Exemplar, das 'TV Karstadt' dauerhaft verkauft, fehlt einem der etablierten Titel", sagte Jochen Beckmann, Verlagsleiter Programmzeitschriften beim Axel Springer Verlag, gegenüber dem Fachblatt "Horizont". Andere Verlage sehen die Entwicklung eher gelassen. Denn Karstadt ist bei weitem nicht das erste Unternehmen, das einen Mix aus TV-Programm und Kundenzeitschrift herausgibt.

Der Kaffeekonzern Tchibo sammelt beispielsweise seit gut zwei Jahren Erfahrung mit einem derartigen Magazin. Das Heft ist allerdings nur 30 Seiten stark und im Gegensatz zum Karstadt-Titel kostenlos zu haben. Der Erfolg spricht für sich: Die Auflage liegt bei stolzen 900.000 Exemplaren und ist immer schnell vergriffen.

Umkämpfter Programmie-Markt

Wirklich gefallen dürfte den Medienhäusern die neue Zeitschrift dennoch nicht. Denn angesichts der aktuellen Anzeigenkrise und der einhergehenden Konsolidierung stehen die Unternehmen bereits stark unter Druck. Zudem herrscht auf dem Markt der Programmpresse seit langem ein harter Wettbewerb.

Ob "TV Karstadt" sich zum Kassenschlager entwickelt, bleibt abzuwarten. Gestartet wird am Mittwoch zunächst mit einer Testauflage von 250.000 Exemplaren. Eine geringe Zahl im Gegensatz zu den Zeitschriften wie "TV 14" (Heinrich Bauer Verlag) mit 2.139.530 verkauften Exemplaren (IVW 2/02) oder den 1.033.853 verkauften Exemplaren von "TV Direkt" (Gong Verlag). Heranreichen könnte das Karstadt-Magazin aber möglicherweise an "TV Neu" aus dem Axel Springer Verlag mit 400.952 verkauften Exemplaren.

Der Konzern hofft auf jeden Fall, dass ein gehöriger Teil seiner (nach eigenen Angaben) täglich 2,5 Millionen Kunden das Magazin kaufen wird. Der Titel liegt übrigens nur in den 189 Karstadt-Warenhäusern und in den –Sporthäusern aus.