Kirch-Krise Haim Sabans verlockende Milliarden

Überraschend hat der Heinrich Bauer Verlag ein Angebot für die insolvente KirchMedia abgegeben. Damit erhöht sich die Zahl der Bieterkonsortien auf vier. Derweil verzögert sich der Verkauf von Kirchs Springer-Anteilen.

München/Frankfurt – Das Wettbieten um die insolvente KirchMedia geht in die Schlussrunde. Dabei hat sich die Zahl der Interessenten überraschend erhöht.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat der Heinrich Bauer Verlag unterstützt von der HypoVereinsbank ein neues Angebot eingereicht. Damit sind nun vier Konsortien im Rennen. Der Verkauf wird sich wohl weiter verzögern. Branchenkreise rechnen nun mit einem Abschluss eher Anfang November.

Fest steht mittlerweile, dass KirchMedia zerschlagen wird. Der Gläubigerausschuss habe einem separaten Verkauf des Sportrechtehandels zugestimmt, verlautete am Donnerstag aus Branchenkreisen.

Verhandlungen mit Günther Netzer und Leo Kirch

Konkrete Verhandlungen sollen mit dem einstigen Konzernchef Leo Kirch und mit dem Management der Kirch Sport AG unter dem Ex-Fußballer Günther Netzer aufgenommen werden. Ein Ergebnis wird Mitte Oktober erwartet.

Weitere Bereiche der KirchMedia sind der Filmhandel und der TV-Konzern ProSiebenSat1 Media. Ursprünglich wollten Insolvenzverwaltung und Geschäftsführung KirchMedia komplett verkaufen. In Branchenkreisen wurde aber betont, wenn auf anderem Wege ein insgesamt höherer Preis erzielt werden könne, sei auch ein Einzelverkauf sinnvoll. Ein Modell ist dabei ein Verkauf von ProSiebenSat1. Der Käufer soll dann über eine Kapitalerhöhung auch den Filmrechte-Stock erwerben.

Die Angebote der Konsortien

Neben Bauer sind noch drei Bieterkonsortien offiziell im Rennen um die KirchMedia. Sie interessieren sich in erster Linie für ProSiebenSat1.

In die Endrunde zog dem Vernehmen nach mit dem höchsten Angebot von angeblich 2,6 Milliarden Euro ein Konsortium des US-Medienunternehmers Haim Saban mit dem französischen Medienkonzern TF1 ein. Altgesellschafter um die Investmentbank Lehmann Brothers sollen 2,5 Milliarden Euro, ein Duo aus Commerzbank und dem US-Filmstudio Columbia 2,3 Milliarden Euro geboten haben.

Es könnte aber noch Veränderungen in den Konsortien oder weitere Angebote geben. Wie der plötzliche Einstieg des Bauer Verlags zeigt, sind weitere Überraschungen im Verfahren möglich.

Probleme beim Verkauf von Kirchs Springer-Anteilen

Probleme beim Verkauf von Kirchs Springer-Anteilen

Derweil steht der Verkauf von Leo Kirchs Anteilen am Axel Springer Verlag offenbar auf der Kippe. Der Einstieg des Schweizer Verlags Ringier beim Hamburger Zeitungshaus könnte nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" scheitern.

Die Chancen, Kirchs 40,3-prozentiges Springer-Aktienpaket zu übernehmen, seien gesunken, berichtet die Zeitung in ihrer Donnerstagausgabe und beruft sich dabei auf Finanzkreise. Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner sträube sich demnach gegen den von Schweizer Seite verlangten Sitz im Vorstand des Verlags.

Mit einer Vertretung im Aufsichtsrat gebe sich hingegen Ringier nicht zufrieden. Ein Ringier-Sprecher habe allerdings dementiert, dass es Schwierigkeiten bei den Verhandlungen gebe. Ende September werde Klarheit über den weiteren Verhandlungsverlauf herrschen. Zu der Vorstandsfrage habe er sich allerdings nicht äußern wollen.

Verhandlungen ohne Zeitdruck

Springer selbst gab keine Stellungnahme ab. Laut dem Bericht ist Ringier nach dem Ausschluss der Essener WAZ-Gruppe der einzige Interessent für das Springer-Aktienpaket.

Bei ihren Verhandlungen wollen sich beide Parteien dennoch nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Dabei spiele es auch keine Rolle, dass am kommenden Freitag das Münchener Landgericht über die einstweilige Verfügung Kirchs gegen die Deutsche Bank entscheidet, hieß es bei den Unternehmen.

Mit dem Verfahren will Kirch einen zeitlichen Aufschub beim Verkauf des Pakets erreichen. In Branchenkreisen hieß es, selbst wenn die Deutsche Bank Erfolg habe, werde sie voraussichtlich nicht sofort über die Springer-Aktien verfügen, sondern Leo Kirch noch etwas Zeit für den Verkauf lassen.

Der Verkaufserlös würde zum Großteil an die Deutsche Bank fließen, die einen Kredit damit abgesichert hatte. Leo Kirch stünde dem Vernehmen nach eine Provision in Millionenhöhe zu.

In die Berufung: Kirch will über sein Springer-Paket verfügen Verfahren: Springer attackiert Leo Kirch

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