Handyvertrag Gebührenpoker

Ab November ist es möglich – beim Wechsel des Netzanbieters kann die Mobilfunknummer gegen eine Gebühr mitgenommen werden.

Düsseldorf - Die nach mehrjähriger Verzögerung nun ab 1. November 2002 mögliche Mitnahme der Mobilfunk-Rufnummer beim Wechsel des Netzbetreibers wird voraussichtlich zum Teil teurer als erwartet.

D2-Vodafone-Sprecher Heiko Witzke sagte am Mittwoch in Düsseldorf, sein Unternehmen plane, dem ausscheidenden Kunden für die Mitnahme der Rufnummer eine Gebühr "in der Größenordnung von 30 Euro" in Rechnung zu stellen. Diese Gebühr decke die tatsächlichen beim Wechsel des Kunden entstehenden Kosten wie den notwendigen Eintrag in eine von den Anbietern entwickelte Teilnehmer-Datenbank und die Umleitung von Anrufen ab.

Beim Konkurrenten O2 wird hingegen lediglich eine Wechselgebühr zwischen fünf und zehn Euro für "angemessen" erachtet. O2-Sprecher Stefan Zuber sagte, die Gebühr müsse sich an den gesetzlichen Vorschriften orientieren und könne daher nicht beliebig festgelegt werden. "Die dem ausscheidenden Kunden in Rechnung gestellte Gebühr darf nicht so hoch sein, dass sie einen Hinderungsgrund für den Wechsel des Betreibers darstellt", sagte der Unternehmenssprecher.

Unabhänigkeit vom Dienstleister

Der Branchenführer T-Mobile und der drittgrößte Anbieter E-Plus wollten sich nicht zur geplanten Höhe der Wechselgebühr äußern. In Unternehmenskreisen von E-Plus hatte es bislang allerdings geheißen, dass eine knapp unter den Forderungen der Wettbewerber liegende Gebühr geplant sei.

Nach mehrjähriger Verzögerung wird mit der so genannten Rufnummern-Portierung bei einem Anbieterwechsel im Mobilfunk das nachvollzogen, was im Festnetz seit langem Stand der Technik ist. Unabhängig vom Dienstleister oder Netzbetreiber bleibt die Festnetz-Rufnummer des Endkunden gleich, sofern nicht das Ortsnetz gewechselt wird.

30 Euro - zu viel?

Im Mobilfunk soll dieser Kundenservice erstmals zum 1. November eingeführt werden. Bislang sind die von den vier etablierten Mobilfunk-Netzbetreibern an die Vertrags- und die Guthaben-Kunden vergebenen Rufnummern an das Netz gekoppelt. Bei einem Anbieterwechsel ändert sich daher bis dato auch die Mobilfunk-Rufnummer. Die Abschaffung dieser Praxis war erstmals zum Jahresende 1997 geplant. Angaben von Branchenexperten zufolge wurden dieser und mehrere weitere anvisierte Termine vor allem auf Druck der großen Mobilfunkanbieter unter Verweis auf technische Schwierigkeiten verschoben.

Mit der Thematik vertraute Branchenexperten bezweifeln, dass die von D2 Vodafone geplante Wechselgebühr rechtlich zulässig ist. "Laut Telekommunikationsgesetz dürfen nur die Kosten in Rechnung gestellt werden, die tatsächlich einmalig beim Wechsel des Kunden anfallen", hieß es in den Kreisen.

"Beim alten Netzbetreiber dürften diese Kosten gering ausfallen und sollten sich an der im Festnetz üblichen Wechselgebühr von 5,11 Euro orientieren." Bei dem von Vodafone genannten Preis von 30 Euro bestehe der Verdacht, dass darin unzulässigerweise auch Kosten wie etwa für die Entwicklung der Mobilfunk-Kundendatenbank enthalten seien. Laut Gesetz müssten für diese Kosten jedoch die Anbieter allein aufkommen.

Hendrik Sackmann, Reuters