Freenet Ungewisse Zukunft

Turbulenzen bei Mobilcom. France Telecom zieht sich zurück. Wie geht es nun für den Internetprovider weiter? Freenet könnte durch die Krise der Mutter erstarken.

Hamburg – Der Internetprovider Freenet AG  und der Carrier Mediaways haben eine Absichtserklärung für eine langfristige Partnerschaft unterzeichnet. Wie Freenet am Donnerstag meldete, wollen die beiden Unternehmen im Bereich Schmal- und Breitband zusammenarbeiten. Freenet hat dabei vor allem das Geschäft mit dem schnellen Internetzugang im Sinn.

"Natürlich erhoffen wir uns mehr Kunden - sowohl für Schmalband- wie auch Breitbandzugänge", sagte Elke Rüther, Sprecherin des Onlineproviders Freenet AG. Auch Analyst Joachim Koller von Merck Finck & Co bewertet die geplante Zusammenarbeit der beiden Unternehmen positiv. Bisher hat Freenet nur über den Netzpartner und Mehrheitsgesellschater Mobilcom  Internetzugänge angeboten.

Freenet-Papiere leiden unter Mobilcom

Doch so gut die Nachricht auf der einen Seite klingt - die Meldungen über das Mutterunternehmen Mobilcom sind um so beunruhigender. Wird der Konzern ein Insolvenzverfahren einleiten müssen? Was passiert dann mit Freenet?

Eckard Spoerr, Chef des Online-Providers, hatte schon vor Wochen gesagt, er spiele verschiedene Szenarien durch. Welches er für das wahrscheinlichste hält, lässt er jedoch offen. "Wir warten ab. Wir wissen noch nichts", sagte die Freenet-Sprecherin gegenüber manager-magazin.de am Donnerstag. Eine Einschätzung zur Situation will sie nicht geben.

Seit die Turbulenzen zwischen Mobilcom und Großaktionär France Telecom  begonnen haben, steht auch Freenets Aktienkurs unter Druck. Anders als T-Online konnten sich die Papiere der Mobilcom-Tochter nicht entsprechend der Unternehmens- und Marktsitutation entwickeln. Dabei meldete der Provider im zweiten Quartal dieses Jahres sogar erstmals ein positives Ergebnis. Mit einem Umsatz von 9,67 Millionen Euro erzielte die Internetfirma 1,02 Millionen Euro Gewinn vor Steuern.

Erhält Freenet Mobilcoms Festnetz?

Sollte Mobilcom jedoch Insolvenz anmelden, wird Freenet zur Insolvenzmasse gehören. Der Merck-Finck-Analyst gewinnt dieser möglichen Entwicklung durchaus Positives ab. Beantragt Mobilcom Insolvenz, müsste der Konzern verkauft werden. "Freenet könnte dann den Zuschlag für das Festnetz erhalten", so Koller. Das Online-Unternehmen hatte bereits vor Monaten angekündigt, das Festnetzgeschäft von Mobilcom übernehmen zu wollen. Doch angesichts des Streits zwischen dem Telefonkonzern und Großaktionär France Telecom musste der Verkauf verschoben werden.

Ob Freenet tatsächlich eine Chance hätte, hinge sicherlich vom Finanzierungskonzept ab. Das Geschäft würde sich auf jeden Fall für den Internetprovider lohnen. Mit einem Schlag könnte er mit einem Umsatzzuwachs pro Jahr von 300 Millionen Euro rechnen. Die Festnetzsparte war im zweiten Quartal erstmals profitabel. Spoerr hatte im Februar einen Berater-Vertrag übernommen und die den Bereich umstrukturiert.

In der Branche wird derweil spekuliert, die Internetfirma könnte bei der France-Telecom-Tochter Wanadoo eingegliedert werden. Auch ein Verkauf an Mitbewerber sei möglich. Zu guter Letzt soll sich sogar Ex-Mobilcom-Chef Gerhard Schmid wieder um Freenet bemühen. Es bleibt also spannend.

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