Griechenland Spielen erlaubt

Das Verbot elektronischer Spiele in Griechenland ist aufgehoben. Ein Gericht in Thessaloniki sprach zwei angeklagte Internet-Cafébesitzer frei, weil das Gesetz, auf dessen Grundlage sie angeklagt wurden, nicht mit der Verfassung vereinbar sei.

Athen - Bereits im Juli dieses Jahres passierte ein Gesetzentwurf das griechische Parlament, das elektronische Spiele inklusive Videogames, Gameboys und Internet-Spiele im öffentlichen Raum verbieten wollte.

Die Nachricht verbreitete sich zunächst langsam und traf weltweit auf Verblüffung und Unglaube. Zu sehr sah das nach einem Scherz aus: Spätestens jedoch, als im August erste englische Übersetzungen des Gesetzes 3037 in Umlauf kamen, zeichnete sich ab, dass doch etwas daran sein musste. Ende August schließlich wurde bekannt, dass zwei Internet-Cafébesitzer angeklagt worden waren, weil sie den Kunden ihres Cafés erlaubt hatten, "Counter Strike" zu spielen.

Über das Ziel hinausgeschossen

Das traf, in den Augen der Verfasser, genau den Geist des Gesetzes: Dieses wandte sich vornehmlich gegen illegales Glücksspiel und das Spielen indizierter Spiele in der Öffentlichkeit. In der Formulierung jedoch, mussten griechische Behörden schnell zugeben, war man offenbar weit über das Ziel hinausgeschossen. "Es gibt den Geist des Gesetzes," hieß es Anfang September aus Kreisen des griechischen Konsulats in Hamburg, "und seinen Wortlaut".

Zu diesem Zeitpunkt war die Sache längst zur peinlichen Affäre geworden. In Griechenland hatte sich der Widerstand der Spielergemeinde formiert, die im Web eine Petitionsliste veröffentlichte. Der Ansturm protestierender Gamer nötigte die Betreiber schnell, die Last auf sechs Ausweichserver in aller Welt zu verteilen.

Denn nun verbreitete sich die Nachricht schnell rund um den Globus. Griechische Botschaften bekamen Anfragen, ob es nun ein Risiko darstelle, die Kinder den geliebten Gameboy mit in den Urlaub nehmen zu lassen. Gesetz 3037 wurde zur Farce.

Im Widerspruch zur Verfassung

Gespannt blickte die Spielergemeinde nach Thessaloniki, wo gestern der Prozess gegen die beiden angeklagten Cafebesitzer begann. Vor dem Gerichtsgebäude kam es zu einer kleineren Demonstration unter dem Motto "Nein zur Zensur des Internet", die die Organisatoren sich wohl hätten sparen können. Denn der Prozess endete überraschend schnell: Die Richter sahen das ganz ähnlich wie die Demonstranten vor der Tür.

Gesetz 3037, heißt es in ihrem Urteil, widerspräche der griechischen Verfassung. In ersten Reaktionen zeigten sich die Lobbyverbände der Internet-Cafébesitzer erleichtert, aus Regierungskreisen wurde das Urteil bisher nicht kommentiert. Dass es auch dort durchaus begrüßt werden dürfte, darf angenommen werden: Längst hatte sich Gesetz 3037 als peinliches Eigentor entpuppt. Die Diskussion über eine Präzisierung des Gesetzes, in der eine deutlichere Unterscheidung zwischen illegalem Glücksspiel und legalen spielerischen Aktivitäten getroffen werden soll, hatte bereits zwei Wochen vor dem Urteil begonnen.

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