Werbung "Massenwerbung kann nicht ersetzt werden"

Welche Spuren wird die Werbeflaute hinterlassen? RTL-Chef Zeiler sieht keine strukturelle Krise.

Hamburg - Die anhaltende Flaute auf dem Werbemarkt hat nach Einschätzung von RTL-Chef Gerhard Zeiler allein konjunkturelle Ursachen. "Ich kann nirgendwo Zeichen einer Strukturkrise erkennen", sagte er. "Wenn der konjunkturelle Aufschwung kommt, wird auch das Geschäft wieder zurückkommen", sagte Zeiler der "Financial Times Deutschland".

Der Chef des Marktführers in Deutschland wandte sich vehement gegen die Ansicht einiger Branchenbeobachtern und Analysten, die erwarten, dass Werbekunden künftig innerhalb der Medien ihr Geld möglicherweise viel genauer verteilen werden.

"Massenwerbung wird für Massenartikler immer die Stellung behalten, die sie heute hat - das kann man durch nichts anderes ersetzen", konstatierte Zeiler.

Zu den Werbeeinnahmen in diesem Jahr sagte der Manager: "Ich halte es für realistisch, dass wir netto nicht mehr verlieren als der Markt." Eine Entlassungswelle wie in manchen anderen Medienfirmen werde es bei RTL nicht geben, abgesehen von Kündigungen bei der Online-Tochter RTL Newmedia. Ende Juni hatte das Unternehmen angekündigt, 100 Stellen zu streichen.

Die RTL Group  verzeichnete einen Umsatzeinbruch von 5,1 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) fiel im gleichen Zeitraum um 23 Prozent auf 181 Millionen Euro. Das Unternehmen berichtete, die Werbemärkte in Großbritannien und in den Niederlanden würden wachsen, in Deutschland und Frankreich schrumpften dagegen die Ausgaben für Fernsehspots oder Anzeigen.

Unterdessen teilte das Unternehmen mit, die Aktie im November vom Kurszettel der London Stock Exchange (LSE) zu streichen. Das Delisting wurde mit dem geringen Handelsvolumen der RTL-Aktie begründet. Betroffen sei aber nur der Londoner Finanzplatz. Bertelsmann hatte vor kurzem rund 91 Prozent der RTL-Aktien übernommen.