Comdirect Der Rotstift regiert

Der Online-Broker kündigt massive Einschnitte an. Das Ziel: Die Commerzbank-Tochter will jährlich 44 Millionen Euro sparen.

Quickborn - Die Comdirect Bank  tritt weiter auf die Kostenbremse. Mit einem rigiden Sparprogramm will das Unternehmen deutlich sparen. Der Aufsichtsrat habe einem entsprechenden Programm des Vorstands zugestimmt, teilte die Commerzbank-Tochter am Montag in Quickborn mit.

Das Programm werde zu signifikanten Einsparungen führen, die sich ab 2004 auf 44 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Das Ergebnisziel für 2004 beträgt 50 Millionen Euro.

Die Umsetzung beginnt mit sofortiger Wirkung

Schon Mitte August hatte Vorstandschef Achim Kassow angekündigt, angesichts der Flaute weitere Schritte zu ergreifen. Das Maßnahmenbündel solle im September vorgestellt werden, hatte er zum damaligen Zeitpunkt gesagt. Es beinhalte auch eine weiteren Stellenabbau.

Die Umsetzung beginne mit sofortiger Wirkung, teilte nun Comdirect mit. Das Ergebnis des laufenden Jahres werde mit 32 Millionen Euro Restrukturierungskosten belastet, hieß es in einer Ad-hoc-Meldung vom Montag.

Eine Ergebnisprognose für 2003 machte ein Comdirect-Sprecher nicht. Dabei hatte der Online-Broker im ersten Halbjahr dieses Jahres vor Steuern ein Ergebnis von 2,5 Millionen Euro erzielt. Das Unternehmen betonte jedoch, dass das Plus auch auf Einmal- und Sondereffekte wie Beteiligungsverkäufen zurückzuführen sei.

Integrations-Gerüchte zurückgewiesen

Gerüchte um eine Integration des Online-Brokers in das Mutterhaus Commerzbank  wurden vom Unternehmen zurückgewiesen. "Das wäre ein unsinniger Schritt", hieß es. Das Unternehmen sei auf dem besten Weg, alle Synergien zu nutzen, die es zwischen Commerzbank und Comdirect erzielen könne. Unter anderem wickelt die Commerzbank alle Wertpapiertransaktionen ab, auch würden die Call-Center gemeinsam betrieben.

In der Branche wird nun spekuliert, dass ein beträchtlicher Teil der mehr als 1000 Comdirect-Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz fürchten muss. Genaue Details zu den Plänen will die Bank erst am Dienstag in Frankfurt bekannt geben.

Fachleute sind skeptisch

Die Aktie der Online-Bank verlor am Montagnachmittag kräftig an Wert. "Langfristig ist das eine gute Sache, aber kurzfristig belastet das Vorhaben die Aktie, da die Restrukturierungskosten bereits in diesem Jahr anfallen und kräftig auf das Ergebnis drücken", sagte ein Frankfurter Händler.

Peter Barkow, Analyst der Investmentbank Trinkaus & Burkhardt, meldete "Bedenken" an, ob die Bank ihr Vorhaben erreichen wird, von 2004 an jährlich 44 Millionen Euro zu sparen. Das sei ein hoch gestecktes Ziel.