n-tv Auf Sparkurs

Der Nachrichtensender erwartet erneut einen Verlust. Deshalb kündigt Sender-Chef Brandstätter Sparmaßnahmen bei Programm und Personal an.

München - Der Nachrichtensender n-tv bekommt die Werbekrise heftig zu spüren. Nach einem Verlust von 14,9 Millionen Euro im Jahr 2001 rechnet das Unternehmen auch in diesem Jahr wieder mit einem Fehlbetrag. Nun kündigte der Sender aufgrund der anhaltenden Flaute Restrukturierungsmaßnahmen an.

"Wir müssen unseren Sender schlanker machen und starten deshalb ein neues Sparprogramm", sagte n-tv-Chef Helmut Brandstätter der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Die Kosten müssten "wesentlich heruntergefahren werden."

Die Situation ist ernst. Das erste Halbjahr sei schlechter verlaufen als geplant, beschreibt Brandstätter die Lage. Auch für die zweite Jahreshälfte zeichne sich bei den Werbeeinnahmen ebenfalls keine Trendwende ab. "Wir werden dieses Jahr wieder einen Verlust ausweisen." Ohne Einschnitte sei noch nicht einmal das Ziel, im kommenden Jahr aus den roten Zahlen zu kommen, zu erreichen.

Ohne Einschnitte wird es nicht gehen

Wie die "SZ" weiter schreibt, rechnet der Berliner Fernsehsender jetzt mit einem Verlust von 20 Millionen Euro. Bei den Erlösen gehe n-tv von 60 Millionen Euro nach 72,4 Millionen Euro im Vorjahr aus.

n-tv-Sprecher Thomas Schultz sagte gegenüber manager-magazin.de, es sei noch nicht bekannt, in welchem Umfang gespart werden soll. Auch der Zeitpunkt stehe noch nicht fest. "Es wird wohl ähnlich schmerzhaft wie bei anderen Medienunternehmen auch", so der Sprecher.

Vor wenigen Monaten hatte die Geschäftsleitung de Situation noch nicht derart düster gezeichnet. Damals rechnete sie noch mit einem ausgeglichenen Ergebnis für das laufende Jahr. Allerdings ging das Unternehmen von einem Umsatz in Höhe von 80 Millionen Euro aus.

Doch die anhaltende Werbeflaute machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Brandstätter kündigte an, dass nun wesentlich billiger produziert werden müsse, die Qualität des Programms dürfe jedoch nicht darunter leiden. Konkrete Äußerungen zu den Personaleinsparungen machte der Geschäftsführer in dem Bericht nicht.

Wie der Sprecher bestätigte, hat das Unternehmen mittlerweile mit dem Betriebsrat Gespräche über die Maßnahmen aufgenommen. Derzeit beschäftigt der Sender 362 feste und 192 freie Mitarbeiter.

Unabhängige Berichterstattung soll gewahrt bleiben

Den Verdacht, der mögliche neue Gesellschafter RTL könne seine Finger im Spiel haben, weist der n-tv-Sprecher von sich. Die Maßnahmen würden unabhängig vom RTL-Einstieg ergriffen. So sei die Beteiligung des Bertelsmann-Unternehmens bei dem Nachrichtenkanal auch noch nicht vom Kartellamt genehmigt.

Auf einer Mitarbeiterversammlung hätten jedoch sowohl RTL-Television-Chef Gerhard Zeiler als auch der "Synergiebeauftragte" Hans Mahr bestätigt, die unabhängige Berichterstattung des Nachrichtensenders wahren zu wollen.

AOL Time Warner noch mit knapp 50 Prozent beteiligt

Die RTL Group hatte vor kurzem den 47,3-prozentigen Anteil an n-tv vom Holtzbrinck-Verlag übernommen. Zweiter Großeigner ist der US-Medienkonzern AOL Time Warner mit knapp 50 Prozent.

Wie manager-magazin.de erfuhr, soll nun der bisherige Leiter der n-tv-Wirtschaftsredaktion und damit auch der Telebörse, Rudolf Matter, eine maßgebende Rolle bei den geplanten Sparmaßnahmen erhalten. Allgemein gilt das Sparpotenzial des Senders jedoch als gering, da das Unternehmen bereits seit langem äußert kostenbewußt arbeitet. Branchenkenner gehen nun davon aus, dass eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem neuen Gesellschafter angestrebt wird.