WAZ/Springer Leichtfertiges Vorgehen

Der Streit zwischen den beiden Medienhäusern gärt weiter. Die WAZ-Gruppe greift nun das Axel-Springer-Management scharf an. Derweil spekuliert die Branche, ob Rupert Murdoch oder der Schweizer Ringier-Verlag Leo Kirchs Aktienpaket abkaufen wird.

Berlin/Essen - Die Wogen gehen hoch. Seit die WAZ-Gruppe ihren Plan bekannt gegeben hat, beim Axel Springer Verlag einsteigen zu wollen, wettert das Berliner Verlagshaus gegen den potenziellen neuen Gesellschafter. Friede Springer, Vorstandschef Mathias Döpfner und nun auch Springer-Erbe Axel-Sven lehnen die Mediengruppe aus Essen ab. "Das passt uns nicht", so Axel-Sven. Unterstützung erhalten sie von Chefredakteuren des Verlags, die sich gegen "politische und verlegerische Interventionen in der journalistischen Unabhängigkeit" aussprachen.

Nun greift die WAZ in einem ersten Statement das Management des Konkurrenten Springer scharf an. "Es ist sehr leichtfertig, wenn Vorstände es rundheraus ablehnen, eine Möglichkeit auszuloten, die die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens verbessern kann", sagte Lutz Glandt, einer von vier gleichberechtigten Geschäftsführern der WAZ, der "Financial Times Deutschland" (FTD).

Glandt warf dem Springer-Vorstand vor, gesetzwidrig zu handeln: "Das Aktiengesetz verbietet dem Vorstand, eine Option nicht zu prüfen, die den Unternehmenswert erhöhen kann. Das missachtet die freien Aktionäre."

Ob jedoch ein Einstieg überhaupt vom Kartellamt genehmigt werden würde, ist derzeit noch nicht klar. In der Springer-Zeitung "Die Welt" äußerte sich ein Medienexperte kritisch. Beide Verlage würden besonders die regionalen Märkte dominieren. Der Axel Springer Verlag hält 24 Prozent Marktanteil am Zeitungsmarkt in Deutschland, die WAZ sechs Prozent. Die WAZ lässt derweil kartellrechtliche Fragen sowie die Vinkulierung der Aktien des Axel-Springer Verlags prüfen.

Alles nur Taktik?

Der "Tagesspiegel" vermutet stattdessen, das Gebot der Essener Mediengruppe sei aus rein taktischen Gründen erfolgt. Zwar sollen sich Leo Kirch, dessen Aktienpaket am Springer-Verlag zur Disposition stehen, und WAZ beim Preis näher gekommen sein – laut Medienberichten liegt dieser bei rund 900 Millionen Euro –, die Zeitung vermutet jedoch, die WAZ könne Medienmogul Rupert Murdoch den Vortritt lassen. Er sei der einzige, der das Gebot der Essener überbieten könne.

Sollte Murdoch zum Zuge kommen, erhalte die WAZ einen Teil des Gebots, der das eigene Angebot übersteige. Wie Nachrichtenagenturen am Montag berichten, dauerten die Verhandlungen zwischen Kirch und WAZ derzeit noch an.

Nach Informationen des "Platow-Briefes" verhandelt das Springer-Management hingegen mit dem Schweizer Verlag Ringier. Verlagschef Michael Ringier soll Ende vergangener Woche Friede Springer und Döpfner in Berlin getroffen haben. Offen bleibt jedoch, ob sich Ringier auch mit Kirch einigen könnte. Sollte sich jedoch kein Käufer für das Aktienpaket finden, fallen die Papiere wieder an die Deutsche Bank zurück.

Ungeachtet der Differenzen zwischen Springer und WAZ beurteilen auch CDU/CSU-Politiker einen möglichen Einstieg der Essener bei Springer skeptisch. Sie befürchten einen Linksruck in der Presselandschaft.

Verd.i-Bundesvorstandsmitglied Frank Werneke bezeichnete diese Befürchtung als "blanken Unsinn. Die WAZ kennt nur einen Grundsatz: den der Gewinnmaximierung". Als bedenklich bezeichnete Werneke jedoch den "Schritt zu mehr Medienkonzentration".

Jo Groebel, Leiters des Europäischen Medieninstituts, meint dagegen, die Meinungsvielfalt würde in Deutschland zumindest kurzfristig durch ein Engagement der WAZ bei Springer nicht beeinträchtigt. "Das wäre eher eine gegenseitige Ergänzung", so der Experte.

Er bestätigte die Beurteilung der gewerkschaft Verd.i, dass die WAZ-Politik sich gerade dadurch auszeichne, vor allem und in erster Linie gewinnorientiert zu sein. "Die WAZ ist kein Kampfblatt der Sozialdemokratie", so Groebel. Daran habe sich auch nichts durch den Wechsel es ehemaligen Kanzleramtsministers Bodo Hombach in das Essener Verlagshaus geändert.