WAZ Hürdenlauf

Die Essener Zeitungskonzern findet im Axel-Springer-Verlag keine Fürsprecher. Bei Friede Springer, Mathias Döpfner ist der Verlag schon abgeblitzt, nun auch beim Springer-Erben Axel-Sven. Medienexperten sehen die WAZ zudem vor massiven kartellrechtlichen Problemen.

Berlin/Essen - Keiner will die WAZ. Wenn es nach Friede Springer geht, wird der Essener Medienkonzern nicht beim Axel Springer Verlag  einsteigen. Auch Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner betont immer wieder gerne die Chancenlosigkeit dieses Plans.

Die WAZ hatte gehofft, bei dem Springer-Erben Axel-Sven Unterstützung zu erhalten, der mit Friede Springer im Streit liegt. Der Essener Medienkonzern wähnte ihn schon als Kämpfer an vorderster Front. Doch nun kam die Absage. Die "Welt" zitiert den Erben am Freitag mit den Worten: "Die WAZ passt uns nicht". Angesichts der vinkulierten Aktienstruktur dürfte das Essener Medienhaus nun auf Schwierigkeiten stoßen, bei Springer einzusteigen. Doch auch Noch-Aktienpakt-Inhaber Leo Kirch fand einen Weg, die Vorgaben zu umgehen.

Während die Springer-Fraktion geschlossen gegen den potenziellen Gesellschafter aus dem Ruhrgebiet antritt, vermuten Branchenkenner, Springer stünde mit der Deutschen Bank schon längst in Verhandlungen, um eine Lösung zu finden. Das Bankhaus hat mit dem 40-Prozent-Anteil Kredite des Kirch-Konzerns besichert.

Was sagte das Kartellamt?

Angeblich existiert neben der WAZ noch ein zweiter ernstzunehmender Interessent für Springer. Zwei weitere Unternehmen lägen in Lauerstellung, heißt es in informierten Kreisen. Die Chancen, dass das Paket jedoch an die WAZ-Gruppe fällt, liegen nach Einschätzung der Insider bei mehr als 50 Prozent. Springer wies unterdessen Abreden mit der Deutschen Bank zurück.

Zweifel an dem Erfolg des WAZ-Plans haben mittlerweile auch Medienexperten. Horst Röper vom Formatt-Institut sagte in der "Welt", dass die WAZ bei einer Übernahme des Aktienpakets an Springer Probleme mit der Kartellbehörde erhielte. So würden der Springer-Verlag zusammen mit der WAZ das Zeitungsgeschäft in Deutschland dominieren. Schon jetzt hielte Springer 24 Prozent Marktanteil, die WAZ bisher sechs Prozent. Röper meint, insbesondere der Einfluss auf den Anzeigenmarkt dürften dem Kartellamt aufstoßen. Auf den regionalen Märkten würde die marktbeherrschende Stellung noch deutlicher werden.

Sollte die WAZ dennoch an ihren Übernahmeplänen festhalten, müssten sicherlich Auflagen erfüllt werden, die möglicherweise die Trennung vom Zeitungsgeschäft bedeuteten – dem Kerngeschäft der WAZ. Dies sei aber sehr unwahrscheinlich, so Röper. Neben dem Zeitungsgeschäft sieht der Experte auch Schwierigkeiten beim Zeitschriftenbereich. Hier käme es zu erheblichen Überschneidungen. Ob möglicherweise eine Ministererlaubnis der WAZ helfen könnte, ist bislang unklar. Noch hat sich das Bundeskartellamt nicht zu den Spekulationen geäußert.