EM.TV Tief in den roten Zahlen

EM.TV-Chef Werner Klatten gibt sich optimistisch. Der Fehlbetrag schrumpft, dennoch ist die Lage alles andere als entspannt. Analysten sind skeptisch.

München - Der angeschlagene Medienkonzern EM.TV  steckt trotz Schrumpfkur noch immer tief in den roten Zahlen. "Im ersten Halbjahr 2002 sind die Rahmenbedingungen für EM.TV nicht leichter geworden", sagte Vorstandschef Werner Klatten. "Der Zusammenbruch der Kirch-Gruppe hat die Restrukturierung unseres Beteiligungsportfolios verzögert und erschwert."

In den ersten sechs Monaten konnte der Fehlbetrag zwar reduziert werden, dennoch lag er noch bei 70,2 Millionen Euro – zuvor 122,3 Millionen Euro. Gleichzeitig sank der Umsatz von 466,2 auf 94,3 Millionen Euro. Als Grund gibt das Unternehmen den Verkauf der Formel-1-Mehrheit an.

Umsatz sank auf 94,3 Millionen Euro

Vor allem wegen des Verkaufs von Beteiligungen wie der Formel-1-Mehrheit sowie weiteren Verkäufen von Beteiligungen sank der Umsatz von 466,2 auf 94,3 Millionen Euro. Bereinigt um Änderungen im Konsolidierungskreis hätte der Vorjahreswert jedoch nur bei 110,3 Millionen Euro gelegen, so dass sich ein vergleichbarer Rückgang von 15 Prozent ergibt.

Eine Prognose für das Gesamtjahr wollte Vorstandschef und Großaktionär Werner Klatten weiterhin nicht abgeben. Die Entwicklung der Medienmärkte sei unsicher. Die TV-Sender als wichtigste Kunden von EM.TV im Rechtehandel rechneten mittlerweile mit einer Belebung des Werbegeschäfts erst im kommenden Jahr. Zudem sei kurzfristig schwer vorhersehbar, wie sich das Beteiligungsportfolio von EM.TV entwickle.

Analysten reagierten vorsichtig auf die jüngsten Veröffentlichungen. "Es ist sehr schwierig, die Zahlen zu beurteilen", sagte ein Experte der Bayerischen Landesbank. "Bei diesem Unternehmen stochert man weitgehend im Nebel." Tendenziell seien die Ergebnisse aber eher schlechter als erwartet. Für das zweite Halbjahr erwartet der Analyst eine Belebung: "Es wird auf jeden Fall stärker als das erste Halbjahr sein."

Henson-Verkauf noch in diesem Jahr

Ein Unternehmenssprecher betonte unterdessen, der Konzern gehe weiterhin davon aus, die Jim Henson Company ("Muppet Show") noch in diesem Jahr verkaufen zu können. "Man ist da in der Endphase der Verhandlungen", sagte der Sprecher. Ziel sei ein Abschluss bis Mitte oder Ende September.

Positiv stimme Klatten die erstarkte Stellung von EM.TV im Markt. So habe das Unternehmen im ersten Halbjahr die Vermarktungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gekauft und den Boxkampf Lennox Lewis gegen Mike Tyson erfolgreich vermarktet.

Liquide Mittel fielen auf 90,2 Millionen Euro

Klatten kündigte an, EM.TV wolle sich am Konsolidierungsprozess in der Branche aktiv beteiligen und gestärkt aus der Neuordnung hervorgehen. Die liquiden Mittel reduzierten sich seit Jahresbeginn von 128 auf 90,2 Millionen Euro.

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei Banken wurden um 25,8 auf 139,8 Millionen Euro zurückgeführt. Die langfristigen Verbindlichkeiten stiegen dagegen leicht auf 406,7 Millionen Euro.

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