Axel Springer Verlag Gewinnerpose

Der Medienkonzern ist wieder in den schwarzen Zahlen. Mathias Döpfners rigides Sparprogramm hat das Unternehmen zurück in die Gewinnzone geführt, obwohl der Umsatz weiter gesunken ist.

Berlin - Der Axel Springer Verlag  meldet schwarze Zahlen. Mathias Döpfner kann sich freuen. Nach dem Rekordverlust von 198 Millionen Euro im vergangenen Jahr verbucht das Verlagshaus im ersten Halbjahr 2002 wieder einen Gewinn.

Für diesen Zeitraum sei ein Überschuss nach Steuern und Abschreibungen von 72 Millionen Euro erzielt worden, hieß es in einer Pressemitteilung. Auch für das Gesamtjahr rechnet der Vorstandsvorsitzende mit schwarzen Zahlen, jedoch dürfe sich die Konjunktur nicht weiter verschlechtern.

Trotz schwierigen Marktumfeldes habe der Verlag beim Überschuss mit einem Plus von 58 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Das operative Ergebnis sei um acht Millionen Euro auf 42 Millionen Euro gestiegen.

Rigoroses Sparprogramm

Als Grund für die positive Entwicklung gibt der Verlag die umfassenden Kostensenkungsmaßnahmen an. Insgesamt habe das Unternehmen 55 Millionen Euro eingespart, schreibt der Verlag im Geschäftsbericht. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen unter anderem einen Abbau von 1400 Arbeitsplätzen bis Ende 2003 angekündigt. In Branchenkreisen heißt es, rund 80 Prozent dieses Vorhabens sei in die Wege geleitet oder bereits realisiert. Offiziell verlautbart der Konzern, 70 Prozent des Abbaus sei erfüllt. Zum Maßnahmenpaket gehörten zudem erhebliche Kürzungen der Online-Aktivitäten wie auch die Zusammenlegung der Zeitungen "Berliner Morgenpost" und "Die Welt". Anfang Juli beschäftigte das Verlagshaus noch 13.406 Mitarbeiter.

Im Mai hatte Döpfner auf der Hauptversammlung ein sehr viel düstereres Bild gezeichnet. Er sprach von der schwersten Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Auch hatte er für das Jahr 2002 einen erneuten Verlust nicht ausgeschlossen.

Doch das Kostensenkungsprogramm greift offenbar. Der Umsatz lag in den ersten sechs Monaten zwar mit 1,368 Milliarden Euro unter dem Vorjahresniveau, mit den Sparmaßnahmen seien jedoch "erhebliche marktbedingte" Rückgänge bei den Anzeigenerlösen kompensiert worden, hieß es. Zudem habe der Verlag die "Weiterentwicklung des substanzstarken Kerngeschäfts und durch die Erschließung neuer Erlöspotenziale seine Marktposition im In- und Ausland gestärkt".

Darüber hinaus hätten sich Sonderfaktoren positiv ausgewirkt. Insbesondere die Beteiligungen von T-Online an Bild.de und an dem Online-Vermarkter Interactive Media hätten Geld in die Kasse gespült. Dennoch, Anlass zum Aufatmen sieht Döpfner noch nicht. Vor allem bei der Entwicklung der Rendite sei Springer noch längst nicht am Ziel.

Vom Anzeigenrückgang sind die Zeitungen am stärksten betroffen, meldete das Unternehmen weiter. Ihr Umsatz sei um 6,4 Prozent auf 703 Millionen Euro zurückgegangen. Anders bei den Zeitschriften, sie steigerten die Umsätze leicht um 0,8 Millionen Euro auf 373 Millionen Euro. Auch bei den Büchern ging es mit 77 Millionen Euro nicht bergab, sondern blieb stabil, und die elektronischen Medien steigerten ihren Umsatz um 15,8 Prozent auf 44 Millionen Euro.