WAZ-Gruppe 900 Millionen Euro für Springer?

Der Verlag und Kirch kommen sich bei den Verhandlungen über das Springer-Aktienpaket näher.

Hamburg - Die WAZ-Gruppe und Leo Kirch haben sich Presseberichten zufolge bei den Preisverhandlungen über Kirchs Axel-Springer-Aktienpaket geeinigt. Das berichten die "Welt" und "Focus Money". Die 40-prozentige Beteiligung des Münchener Medienunternehmers an dem Axel-Springer-Verlag könnte demnach für einen Preis zwischen 800 und 900 Millionen Euro verkauft werden. Die "Welt" beruft sich auf Gespräche der WAZ-Geschäftsführung mit führenden Mitarbeitern.

"Focus Money" schreibt unterdessen, die beiden Verhandlungspartner hätten sich auf einen Verkaufspreis von 900 Millionen Euro geeinigt. Dabei beruft sich das Blatt auf Kreise.

"Wie in der Wüste von Namibia"

Die WAZ bezeichnete die Medienberichte über den möglichen Kaufpreis am Mittwoch als Spekulationen ohne vernünftige Grundlage. Ein Konzernsprecher sagte, der vergangenen Freitag bekannt gegebene Stand gelte unverändert. "Ein Engagement bei Springer wird weiter geprüft." Zuvor hatte auch die Nachrichtenagentur dpa berichtet, der Kaufpreis liege bei bis zu einer Milliarde Euro.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner gab der WAZ-Mediengruppe keine Chance für einen feindlichen Einstieg bei seinem Unternehmen. Der Versuch einer Übernahme des 40-Prozent-Pakets von Leo Kirch gegen den Willen des Verlags sei "wie in der Wüste von Namibia Eisbären schießen zu wollen", sagte Döpfner am Mittwoch in Berlin.

Bereit für den Abschluss

Bei Kirch in München hieß es der "Welt" zufolge, man sei "jetzt zum Kaufabschluss bereit", habe aber noch "andere Eisen im Feuer". Die WAZ-Führung wolle in den nächsten Tagen die rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen einer Übernahme klären und danach den Gesellschaftern der WAZ das Konzept einer strategischen Partnerschaft vorlegen.

"Die Welt" berichtet weiter, dass die WAZ-Gruppe sich trotz der bisher klaren Absage des Springer-Verlages an eine geschäftliche Partnerschaft mit dem Essener Verlag weiterhin um die Zustimmung der Verlegerwitwe Friede Springer bemüht. Eine Quelle aus der WAZ-Geschäftsführung habe der Zeitung gesagt: "Wir streben nach wie vor eine Einigung mit der Verlegerin Friede Springer an und bauen jetzt auf die Tätigkeit von hochrangigen Vermittlern. Wenn das nicht gelingt, werden wir das Springer-Paket vermutlich nicht von Kirch übernehmen".

Die WAZ-Gruppe hatte sich bereits im März lautstark um die Axel-Springer-Aktien bemüht, ihr Streben im April jedoch wieder eingestellt, als Friede Springer dem Essener Verlagshaus eine Absage erteilte. Unterdessen befürchten CDU- und CSU-Politiker einen Linksruck beim Axel Springer Verlag, sollte die WAZ einsteigen.

Sollten WAZ und Kirch sich nicht bis zum 10. September über den Verkauf einigen, entscheidet das Münchner Landgericht darüber, ob die Springer-Aktien an die Deutsche Bank  fallen, bei der die Beteiligung als Sicherheit für millionenschwere Kredite verpfändet ist.