E-Business Hoher Nachholbedarf bei B2B

Eine aktuelle Studie zeigt, dass nur ein Bruchteil der deutschen Konzerne Einkaufsplattformen im Internet einsetzt. Ein milliardenschweres Sparpotenzial bleibt ungenutzt.

Hamburg – Deutsche Unternehmen haben erhöhten Nachholbedarf beim Online-Einkauf. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatungsfirma Putz & Partner nutzen die Verantwortliche B2B-Plattformen im Web nur im geringen Maße, obwohl sich damit Milliarden-Beträge einsparen ließen.

Putz & Partner befragte über 100 Einkäufer und führende Anbieter von Internetauktionen. Dabei zeigte sich, dass im vergangenen Jahr von den Gütern und Dienstleistungen im Wert von insgesamt 900 Milliarden Euro weniger als ein Prozent im Internet eingekauft wurde. Bei einer geschätzten durchschnittlichen Kostenersparnis von 16 Prozent mittels elektronischer Einkaufsplattformen verschenkten die Unternehmen demnach 22 Milliarden Euro.

Wenn überhaupt, werden B2B-Plattformen hier zu Lande von international agierenden Großkonzernen genutzt. Im Zentrum stehen meist geringwertige Verbrauchsgüter wie etwa Büromaterialien. Der übergreifende Einsatz ist dagegen selten zu beobachten. Unternehmen der Automobil-, Maschinenbau-, Pharma- und Chemiebranche setzen am ehesten beim Einkauf auf das Internet. Banken und Versicherungen hingegen nutzen die Möglichkeiten kaum.

Großbritannien und die USA machen es vor

Deutschland liegt beim B2B-Einsatz weit hinter den angelsächsischen Ländern. In Großbritannien und den USA nutzen nach einer Parallelstudie von Commerce One 32 beziehungsweise 38 Prozent der Konzerne das Web beim Einkauf. In der Bundesrepublik sind es gerade drei Prozent.

Ein enormes Einsparungspotenzial durch Interneteinkäufe liegt laut Putz & Partner im öffentlichen Sektor. Der Nachholbedarf in diesem Bereich ist wesentlich größer als in der Privatwirtschaft, da hier oft nicht einmal die Grundlagen für die Verwendung von B2B-Systemen vorhanden sind. Eine Ausnahme ist die Bundeswehr, die durch den Einsatz von Interneteinkäufen bereits Einsparungen von 21 Prozent realisieren konnte.

Organisationsprobleme und schlecht geschultes Personal

Die Einsparungen durch B2B sind nicht zu unterschätzen. "Prozessgeschwindigkeiten nehmen zu, interne Kosten gehen zurück, Lieferanten können gebündelt und Materialkosten gesenkt werden", erklärt Matthias Richter, Leiter der Untersuchung bei Putz & Partner. Die erforderlichen Investitionen beliefen sich auf nur einen Bruchteil der Einsparungen. Umso erstaunlicher sei es, dass "die deutsche Wirtschaft dem Einkauf immer noch so wenig Bedeutung beimisst", so Richter.

Interne Organisationsprobleme, zu wenig gut geschultes Personal und zum Teil auch die Bedeutung der Rolle des Einkaufs im Unternehmen seien verantwortlich dafür, dass technische Möglichkeiten nicht eingeführt und genutzt werden. Betriebe, die den Interneteinkauf bereits intensiv und erfolgreich betreiben, haben laut Richter diesen Aufgabenbereich meist durch eigene Online-Einkäufer organisatorisch gesichert.

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