Handspring "Wir sind nicht größenwahnsinnig"

Handspring verabschiedet sich vom Organizer-Markt. Künftig setzt das Unternehmen auf so genannte Communicators, eine Mischung aus Handy und PDA. Im Interview begründet Andreas Riedmann, Marketing-Chef von Handspring Central Europe, den Strategiewechsel.

mm.de:

Glaubt man den Marktforschern befindet sich der PDA-Markt derzeit im Sturzflug. Gleichzeitig hadert Handspring mit roten Zahlen und sinkenden Umsätzen. Macht Ihnen der Job derzeit überhaupt noch Spaß?

Riedmann: Auf jeden Fall! Der Job macht mir sogar sehr viel Spaß. Und zwar, weil wir gar keine PDAs im eigentlichen Sinne mehr herstellen. Stattdessen setzen wir vermehrt auf Smartphones. Wir bewegen uns also in einem Markt, der völlig neu ist.

mm.de: Sie bieten überhaupt keine PDAs mehr an?

Riedmann: Wir bieten sie noch an, aber wir vermarkten sie nicht mehr aktiv – zumindest nicht im europäischen Raum. Es wird zwar zum Ende des Jahres noch ein PDA ohne Telefonfunktion kommen, aber wir konzentrieren uns trotzdem mit Handspring auf den Communicatormarkt.

mm.de: Der gute alte Handheld hat also ausgedient?

Riedmann: Das ist wie in vielen anderen Segmenten. Der PDA-Markt diversifiziert sich momentan sehr stark. Es gibt Anbieter, die gehen in die Multimedia-Ecke. Manche gehen in die Communicator-Ecke, und wieder andere setzen auf Billigprodukte. Wir glauben, dass der Markt der Communicator am erfolgreichsten sein wird. Einfach nur noch PDAs herzustellen ist dagegen relativ erfolglos. Man hat in der Vergangenheit gesehen, dass der Markt überschwemmt war auf Kosten der Preise. Wenn ein Unternehmen nur im Mainstream mitschwimmt, wird es große Probleme bekommen.

mm.de: Der Strategiewechsel hört sich an, wie eine Flucht nach vorne. Wenn man ihre Zahlen betrachtet, scheinen Sie keine andere Wahl gehabt zu haben. Das vierte Quartal des Geschäftsjahres haben Sie mit einem Netto-Verlust von 15,4 Millionen abgeschlossen. Gleichzeitig fielen die Umsätze von 61 Millionen Dollar im Vorjahr auf 49 Millionen Dollar.

Riedmann: Das muss man anders sehen. Die Entscheidung Communicator zu bauen ist nicht erst gestern gefallen. Als Handspring gegründet wurde, gab es bereits die Vision, in den Bereich der Integrated Devices zu gehen. Wir haben diese Entwicklung schon begonnen zu Zeiten da die Zahlen noch rosig waren. Also keine Flucht nach vorne, sondern eine langfristige Strategie.

mm.de: So uninteressant kann der PDA-Markt nicht sein. Erst Ende Juni hat Dell angekündigt, in diesen Bereich einzusteigen.

Riedmann: Dell baut doch jetzt auch Drucker. Die wollen diversifizieren. Ob der Markt interessant ist, muss Dell selbst entscheiden. Insgesamt können einige Spieler sicher mit PDAs Geld verdienen, der Markt ist ja nicht uninteressant. Handspring wird hier nicht mitmischen. Wir haben weder die personellen noch die finanziellen Ressourcen. Deswegen suchen wir uns eine Marktnische – eben die Communicator. Da sind wir an vorderster Front bei der Entwicklung.

Konkurrenz für Nokia und Co.

Konkurrenz für Nokia und Co.

mm.de: Ist diese Marktnische wirklich sicher? Früher oder später werden sie es möglicherweise mit starken Gegnern zu tun bekommen. Mobilfunkriesen wie Nokia, Sony Ericsson oder Motorola könnten Ihnen zu schaffen machen. Wie wollen Sie die übermächtige Konkurrenz ausstechen?

Riedmann: Die stechen wir nicht aus und die können wir auch gar nicht ausstechen. Wenn ich das sagen würde, wäre ich größenwahnsinnig. Wir setzen auf eine andere Strategie, indem wir immer einen Schritt voraus sein werden. Das können wir, weil Handspring sehr klein, flexibel und schnell ist. Das ist unser Vorteil.

mm.de: Zur Zukunft der PDAs: Wird es die Organizer langfristig geben?

Riedmann: Ich glaube schon. Der reine Organizer aber hat keine Zukunft. Die Geräte werden in irgendeiner Form verbunden werden, sei es über UMTS, Wireless LAN oder über ein anderes System. Es wird am Markt parallele Technologien geben. Aber die Zeit, als der PDA nur ein Adress- und Notizbuch war, ist vorbei.

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