Vodafone Verletzte Eitelkeit

Chris Gent beansprucht für sein Unternehmen den ersten Platz im globalen Handy-Geschäft. Doch jetzt muss der Vodafone-Chef eine schwere Schlappe einstecken: Ein Wettbewerber aus fernen Landen hat mehr Nutzer.

London/Hongkong - In einer globalen Eroberungskampagne hat Vodafone-Chef Chris Gent gekauft, geräubert, expandiert - und ein riesiges Mobilfunk-Imperium aufgebaut. Jetzt wird er in seiner Eitelkeit verletzt: Es gibt einen Konzern, der mehr Kunden hat als seiner.

Gent und seine PR-Strategen waren so stolz auf ihren Status als globaler Titan. Die Werbekampagne "How are you?", in vielen Ländern geschaltet, strotzt vor Selbstbewusstsein, wie es nur ein Branchenführer kennt.

Nicht nur in Deutschland wurde einst eigenständigen Firmen wie D2 Mannesmann verordnet, künftig das rot-weiße Logo der britischen Mutter zu tragen. Wer die Internet-Präsenz des Vodafone-Konzerns  ansteuert, wird mit dem Slogan begrüßt: "Willkommen in der weltgrößten Mobilfunkgemeinde". Diesen Spruch hat sich Vodafone sogar markenrechtlich schützen lassen.

Die zweitgrößte Gemeinde

Nur leider stimmt er neusten Nutzerzahlen zufolge nicht mehr. Richtiger wäre: "Willkommen in der zweitgrößten Gemeinde". Der neue Gewinner der Handy-Weltmeisterschaft nämlich kommt aus China, heißt China Mobile und profitiert vom gigantischen Nutzerpotenzial des fernöstlichen Marktes.

Nachdem China Mobile im Sommer die Übernahme von acht regionalen Mobilfunkunternehmen vollzogen hat, ist die Kundenzahl erstmals neunstellig. Die Chinesen haben nun einem eigenen Angaben vom Mittwoch zufolge insgesamt 105,4 Millionen Handy-Kunden. Bei Vodafone sind es nach letzten Zahlen 103,8 Millionen.

Mehr Kunden, weniger Umsatz

Allerdings leidet China Mobile an einer typischen Krankheit, die vor allem Mobilfunkbetreiber befällt, die schnell expandieren. Während die Nutzerzahlen dramatisch steigen, nimmt das Unternehmen immer mehr unattraktive Wenigtelefonierer in seine Kundendatei auf. Diese Kunden stammen im Fall von China Mobile oft aus einkommensschwachen Schichten im chinesischen Hinterland und kaufen Prepaid-Karten für ihre Handys. Das drückt eine der wichtigsten Kennzahlen für den Erfolg von Mobilfunkbetreibern, den so genannten ARPU, den Umsatz pro Nutzer.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich dieser Pro-Kopf-Umsatz bei China Mobile in etwa halbiert. Vodafone hingegen ist hier einen Schritt weiter: Der Konzern legt keinen gesteigerten Wert mehr auf Gelegenheitsnutzer. In Deutschland hat sich der Anteil der Prepaid-Kunden gegenüber dem der Vertragskunden deutlich reduziert.

Und noch etwas könnte Sir Christopher über den Verlust der Weltmeisterschaft hinwegtrösten: Vodafone hält 3,27 Prozent der China-Mobile-Aktien.