Kirch-Krise Die zweite Chance

Springer und Bauer sind beim Bieterrennen noch dabei. Aus Finanzkreisen war zu hören, dass die Verlage möglicherweise ihr Angebot für die insolvente KirchMedia überdenken.

München - Die Verlage Springer und Bauer bleiben unter Umständen im Bieter-Wettbewerb um die insolvente KirchMedia. Obwohl das Konsortium sein niedriges Angebot bisher nicht aufgestockt habe, dürften die beiden Verlage möglicherweise einen tieferen Blick in die Bücher werfen, hieß es am Montag in Finanzkreisen.

Am Freitag waren drei Bieter für die Endrunde im Bieterwettstreit ausgewählt worden. Das Konsortium um Springer und Bauer befand sich mit seinem Gebot von 1,4 Milliarden Euro dem Vernehmen nach eigentlich nicht darunter.

Ein Zuschlag für das Konsortium Springer/Bauer, dem auch die HypoVereinsbank und der Spiegel Verlag angehören, galt in Branchenkreisen lange als Ideallösung, da eine Übernahme durch ausländische Investoren politisch nicht unbedingt erwünscht sei. Allerdings kam die Gruppierung bei der geheimen Abstimmung am Freitag nicht in die nächste Runde.

Am Ende dürfte aber nicht nur die Höhe des Gebots eine Rolle spielen, hieß es nun in Finanzkreisen. Auch die strategischen Konzepte müssten eine Rolle spielen. Daher werde womöglich auch dem Verlags-Konsortium eine erweiterte Due Diligence gewährt. Es sei möglich, dass die beiden Verlage dann ihr Angebot nach einer genaueren Sichtung der Bücher erhöhten.

Altgesellschafter buhlen um Berlusconi

Laut einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat das Konsortium aus Commerzbank und dem Hollywood-Studio Columbia mit einem vorläufigen Angebot von 2,3 Milliarden Euro offiziell die zweite Runde erreicht. Außerdem sei das gemeinsame Gebot des US- Medienunternehmers Haim Saban und des französischen Medienkonzerns TF1 in Höhe von 2,6 Milliarden Euro berücksichtigt worden.

Dritter im Bunde ist eine Gruppe um die Investmentbank Lehman Brothers, zu der auch der Handelskonzern Rewe und der saudische Prinz Al Waleed gehören. Das Angebot dieses Konsortiums beläuft sich auf 2,5 Milliarden Euro. Lehmann, Rewe und Al Waleed waren bereits vor dem Zusammenbruch am Kirch-Konzern beteiligt.

Ein Berater des Saudis Al Waleed sagte am Montag, dass das Altgesellschafterkonsortium derzeit nach weiteren Partnern sucht. Gespräche würden demnach mit dem italienischen Mediaset-Konzern laufen, der von der Familie des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrolliert wird.