Popfile.de 99 Cent für einen Song

Lange unternahm die Musikindustrie fast nichts im Kampf gegen Napster und Co. Dann klagten die Multis und starteten eigene Angebote. Nun erprobt Universal Music als erste Branchengröße ein Bezahl-Portal eigens für Deutschlands Surfer: Popfile.de.

Berlin - Die großen Musikkonzerne zittern noch heute, wenn sie die Namen Napster, Kazaa oder Gnutella hören. Neben vielen weiteren Internetangeboten sind sie zum Symbol für den illegalen Tausch von Musikdateien im Internet geworden. Die Multis beklagen, ihnen gingen durch die Existenz dieser Tauschbörsen Millionen Dollar durch die Lappen.

Mittlerweile haben die Konzerne zum Gegenangriff geblasen, gründen eigene Musikportale wie Musicnet.com, Pressplay.com oder wie das neue Universal-Angebot Popfile.de. Alle haben eines gemeinsam: Die Musiktitel können gegen Geld aus dem Netz gezogen werden. Ob damit jedoch der Erfolg der kostenlosen Tauschbörsen zu stoppen ist, darf weiter bezweifelt werden.

Lange haben die Konzerne dem fröhlichen Tauschgeschäft im Internet tatenlos zugesehen. Nutzer luden sich die Dateien auf ihre Computer oder brannten sie auf CDs, ohne für die Urheberrechte zu zahlen. Schließlich zogen die Musikmultis vor Gericht.

Tauschbörsen mit Klagen überhäuft

MP3.com wandelte sich daraufhin zum legalen Angebot, Napster wird nach dem Strategiewechsel bei Bertelsmann voraussichtlich in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, und Audiogalaxy gab nach einer Klage des Musikverbands Recording Industry Association of America (RIAA) klein bei.

Auch Kazaa erhielt eine Geldstrafe, und Morpheus und Grokster müssen sich vor Gericht verantworten. Doch gegenüber Systemen wie Gnutella scheinen Klagen wenig aussichtsreich. Denn für dieses Konzept - eine Software, die eine unüberschaubare Zahl von Einzelrechner vernetzt, auf denen PC-Nutzer sich gegenseitig Musikdateien zum Download anbieten - ist kein zentrale Rechtsperson haftbar zu machen.

Wollten die Multis Recht walten lassen, müssten sie jeden einzelnen Gnutella-Nutzer verklagen. Doch davor scheuen die Konzerne bislang zurück. Sie deuteten zwar an, möglicherweise einzelne Vielnutzer zu verklagen - bislang blieb das eine leere Drohung.

Noch hängen die Musikkonzerne weitgehend der Entwicklung im Netz hinterher. Nur mühsam gelingt es ihnen, in der digitalen Welt Fuß zu fassen. Immerhin nach etlichen Ankündigungen starteten sie eigene Musikangebote – meist bezahlpflichtige Abodienste – unter den Namen Musicnet, Pressplay oder Popfile.de. Der durchschlagende Erfolg lässt jedoch auf sich warten.

Mühsamer Weg in die digitale Welt

Mühsamer Weg in die digitale Welt

Schon spekuliert die Branche über das Ende des einen oder anderen Engagements. Geschlagen gibt sich die Industrie nicht, ihre Gegenwehr scheint härter zu werden. In den vergangenen Wochen häuften sich Spekulationen darüber, dass die Musikindustrie absichtlich defekte Dateien in die Tauschbörsen einschleusen könnte. Ein verzweifelter Versuch, die Nutzer zu frustrieren und sie zum ganz legalem CD-Kauf oder den legalen Musikangeboten im Netz zu leiten?

Als Vorreiter in Sachen Internetverkauf mag Vivendi Universal Music gelten. Der Musikkonzern hat sich auf einer Vielzahl von Internetportalen platziert, beispielsweise bei Pressplay (Sony , Universal, EMI ), eMusic (diverse Labels sowie Universal) und Vizzavi (Universal, Vodafone ). Am Freitag startete Universal mit Popfile.de ein legales Angebot eigens für Deutschland. Prominenter Gast bei der Eröffnung in Berlin: Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Popfile.de soll ein Gegenmodell zum Musikklau sein, sagt der Konzern. Mit einem Monatsabo oder für 99 Cent pro Titel können Nutzer sich Songs auf ihren Computer laden oder auf CD brennen. Ein digitales Wasserzeichen soll verhindern, dass die Tracks wiederum den schnellen Gang in die kostenlosen Tauschbörsen finden.

Mit rund 5000 Musiktiteln erscheint das Angebot noch klein. Pressplay, eMusic, Musicnet (Warner Music, BMG, EMI, Real Networks  und Zomba) sowie Listen.com (Warner Music, BMG, EMI, Sony, Universal) bieten da einen weitaus größeren Fundus, jedoch richten sie sich vor allem an Nutzer aus den USA. "In den nächsten 12 Monaten werden wird das Angebot auf 30.000 Tracks (Titel) erweitert", sagte Joachim Kirschstein von Universal zum Start von Popfile.

Keine konkreten Auskünfte erteilte Universal über die Umsatzerwartungen. "Natürlich soll Popfile auch Gewinn abwerfen", heißt es. Wichtiger sei, den Nutzern zu zeigen, ihre Stimme verstanden zu haben. Zudem werde der gesamten Branche demonstriert, dass es sich lohne, auf die Nutzer und ihre Bedürfnisse zu hören.

Die Begeisterung der Nutzer, plötzlich für die Songs aus dem Netz zahlen zu müssen, dürfte sich trotz dieser Schmeichelein zumindest anfangs weiter in Grenzen halten. Das weiß auch Tim Renner. Der Universal-Chef räumte ein, es werde weiter illegale Börsen geben. Diese könnten jedoch nur mit legalen Angeboten bekämpft werden.

Universal Music startet einen deutschen Testballon US-Musikindustrie will gegen Privatpersonen klagen


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