Kirch-Krise Gläubiger stimmen ab

Wer die Wahl hat, hat die Qual – an diesem Freitag soll die Entscheidung fallen, wer im Bieterverfahren um KirchMedia in die zweite Runde kommt. Haim Saban und TF1 sind Presseberichten zufolge im erlauchten Kreis der Bieter. Ausgeschieden ist möglicherweise das Springer-Bauer-Konsortium.

München - Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wenn es nach der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) geht, haben Insolvenzverwalter Michael Jaffé und die KirchMedia-Geschäftsführung und -Gläubiger bereits entschieden, wer in die nächste Runde im Bieterwettstreit um das Medienunternehmen gelangt. Agenturen berichten unterdessen, dass die Gläubiger noch bis Freitag ihr Votum abgeben können, wer in die Shortlist der Beiter gelangt.

Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtete bereits in ihrer Ausgabe am Donnerstag, die Verlage Springer und Bauer zusammen mit der HypoVereinsbank AG (HVB) und dem optionalen Partner Spiegel-Verlag aus dem Käuferkreis ausgeschieden sind.

Die Offerte des amerikanischen Milliardärs Haim Saban sei dagegen keineswegs ausgeschlagen worden, schrieb die Zeitung. Auch die börsennotierte französische Sendergruppe TF1 gehört nach "SZ"-Informationen weiter zu den Bietern, mit denen sich die Führung der KirchMedia intensiv beschäftigt. TF1 meldete ebenfalls, es weiter dabei.

Sieben Bieter haben ein Angebot abgegeben

Am Montag dieser Woche hatte die "Financial Times Deutschland" noch berichtet, dass sowohl Saban als auch TF1 "mangels Seriosität" nicht mehr im Rennen seien. TF1 hatte den gemeldeten Ausschluss jedoch dementiert und sein Interesse noch einmal bestärkt.

Insgesamt haben in der vergangenen Woche sieben Bieter oder Bietergruppen ein unverbindliches Angebot abgegeben. Nun sollen Presseberichten zufolge drei bis vier Bieter in die engere Wahl kommen. Sie können dann die Bücher der KirchMedia genau einsehen und abschließend ein verbindliches Angebot machen.

Wer ist noch im Rennen?

Erwartungen nicht erfüllt

Für Springer und Bauer könnte sich dieser Wunsch nicht erfüllen. In dem "SZ"-Bericht heißt es, die Offerte des Konsortiums habe die Erwartungen der KirchMedia-Spitze offenbar nicht erfüllt. Angeblich hat die Gruppe nur 1,4 Milliarden Euro geboten haben. Wie die Zeitung nun erfahren haben will, soll das Konsortium zunächst aus dem Kreis der KirchMedia-Interessenten ausscheiden.

Für diesen Fall habe die Bietergruppe aber bereits eine Nachbesserung angedeutet, hieß es noch in dem Zeitungsbericht. Nachrichtenagenturen berichten unterdessen, dass die Signale eher darauf hindeuteten, dass Bauer und Springer ihr Angebot nicht aufstocken wollen.

Die Nachrichtenagentur dpa-afx schreibt, das Springer-Bauer-Konsortium sei noch im Rennen, eine Entscheidung über die Angebote sei noch nicht gefallen. Allerdings würde das Angebot als zu niedrig befunden.

Reuters will erfahren haben, dass TF1 und Saban - entgegen anders lautenden Gerüchten - zusammen in die nächste Bieterrunde gelangt seien. Gleiches gelte für das Konsortium aus Commerzbank und Sony mit seinem Filmstudio Columbia Tristar.

Manager der KirchMedia wollten sich nicht äußern. "Wir bestätigen nichts", teilte Unternehmenssprecher Hartmut Schulz mit, "und wir kommentieren nichts."

Saban und TF1 bieten zusammen

Das höchste Gebot liegt bei 2,6 Milliarden Euro und soll von Haim Saban abgegeben worden sein. Wie es in dem Bericht weiter heißt, sei bislang nur über fünf Parteien gesprochen worden: über TF1, Saban, über die Commerzbank, die zusammen mit dem Hollywood-Studio Columbia Pictures auftritt, über Viacom (MTV, CBS, Paramount) und die Verlage Bauer, Springer, Spiegel plus HypoVereinsbank. Saban soll Gerüchte halber auch ein Angebot gemeinsam mit TF1 hinterlegt haben.

Geboten haben sollen darüber hinaus auch die Altgesellschafter Silvio Berlusconi, Rupert Murdoch und die Lehman Brothers. In Bankenkreisen wird bereits spekuliert, dass die Deutsche Bank in Kooperation mit dem englischen Abokanal BSkyB von Rupert Murdoch eingreifen werde. Murdoch wird trotz der hohen Verluste, die BSkyB mit seinem Engagement bei Premiere einfuhr, auch weiterhin ein starkes Interesse an dem Bezahlsender nachgesagt.