Consors Trübe Aussichten

Von Gewinn ist keine Rede mehr. Der Online-Broker rechnet für 2002 mit einem negativen Jahresergebnis. Der Gesamtverlust beträgt für die ersten sechs Monate 160,4 Millionen Euro. Auch bei BNP Paribas klappt nicht alles. Die komplette Übernahme schlug bislang fehl.

Nürnberg - Der Online-Broker Consors  rechnet bei einem weiterhin schwachen Marktumfeld mit einem negativen Gesamtjahresergebnis. Angesichts der konjunkturellen Schwäche und der Unsicherheit an den Kapitalmärkten geht das Unternehmen davon aus, dass sich die Situation an den Finanzmärkten im zweiten Halbjahr nicht verbessern wird.

Consors hatte ursprünglich für dieses Jahr das Erreichen der Gewinnzone angekündigt, doch davon ist nun keine Rede mehr. Wie das Unternehmen bekannt gab, betrug der Gesamtverlust nach Steuern und Anteilen Dritter 160,4 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2002.

Hintergrund ist nach Angaben des Vorstands, dass gemäß der Rechnungslegung nach US-GAAP Abschreibungen in Höhe von 90,7 Millionen Euro auf Firmenwerte der Tochtergesellschaften vorgenommen worden wurden.

3,37 Euro Verlust pro Aktie

Hinzu kamen eine außerplanmäßige Abschreibung auf Beteiligungen (nach Anteilen Dritter) in Höhe von sechs Millionen Euro, eine Wertberichtigung auf aktivierte latente Steuern in Höhe von minus 23,5 Millionen Euro sowie Umstrukturierungskosten in Höhe von 800.000 Euro. Den Verlust pro Aktie beziffert Consors für das laufende Geschäftsjahr auf 3,37 Euro.

Bereits Ende Juni hieß es in einer Mitteilung der Consors-Geschäftsführung und des französischen Bankhauses BNP Paribas, der Internetbroker habe trotz der Verringerung der Verluste im laufenden Geschäftsjahr noch nicht in die Gewinnzone zurückfinden können. Dieses Ziel werde voraussichtlich weitere Restrukturierungsmaßnahmen erfordern. Ob, in welcher Art und wann der Vorstand Umstrukturierungen einleitet, ist bislang nicht bekannt.

Mitarbeiterzahl soll auf etwa 630 sinken

Consors-Sprecher Michael Kläver sagte gegenüber manager-magazin.de, derzeit befinde sich das Unternehmen in der Integrationsphase mit Cortal. Im November solle feststehen, welche Synergien sich ergeben und welche Maßnahmen daraus erfolgen werden.

In Deutschland wird das Unternehmen nach Angaben Klävers wie bisher die natürliche Fluktuation der Mitarbeitern nutzen. Freiwerdende Stellen werden nicht wieder besetzt, so dass bis Ende des Jahres die Mitarbeiterzahl auf etwa 630 von derzeit 700 sinke.

Gesunken sind auch die Handelsaktivitäten. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 2,6 Millionen Transaktionen ausgeführt. Damit einhergehend sei der Provisionsüberschuss von 72,9 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2001 auf 44 Millionen Euro zurückgegangen. Der Zinsüberschuss habe dagegen 17,2 Millionen Euro betragen.

Das Depot- und Einlagenvolumen sank von 7,2 Milliarden Euro Ende 2001 auf 5,8 Milliarden Euro Ende Juni 2002. Die Zahl der Kundendepots stieg dagegen um 12.000 Netto-Neukunden auf 578.000 Konten. Wie das Unternehemn erläuterte, hätten zu dieser Entwicklung vor allem die europäischen Tochtergesellschaften beigetragen.

BNP Paribas verfehlt komplette Übernahme

Angesichts des schwierigen Marktumfeldes müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass "die Tradezahlen auch in nächster Zeit auf niedrigem Niveau verharren oder sich sogar weiter rückläufig entwickeln könnten", heißt es in einer Pressemitteilung.

Neben dem Ziel, für Consors die Gewinnzone zu erreichen, hat auch der französische Mehrheitsaktionär BNP Paribas sein Ziel verfehlt. Das Unternehmen wollte Consors komplett übernehmen. Am 31. Juli endete die zweite Annahmefrist für das Übernahmeangebot des Bankhauses an die Minderheitsaktionäre von Consors. Allerdings verkauften nicht genügend Minderheitsaktionäre ihre Anteile.

Nun hält die französische Großbank nur 94,91 Prozent an Consors. Für eine vollständige Übernahme hätte die Bank 95 Prozent der Anteile erhalten müssen, um den restlichen Aktionären eine Barabfindung (Squeeze Out) anzubieten.

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