Kirch-Krise Fliegen TF1 und Saban raus?

Sieben Gebote – sieben Entscheidungen. Der Insolvenzverwalter der KirchMedia muss festlegen, welche Interessenten in die nächste Bieterrunde gelangen. Angeblich spielen der französischen Senders TF1 und des US-Investors Haim Saban dabei keine Rolle mehr, was TF1 dementiert.

Hamburg - In dieser Woche entscheidet sich, welche Interessenten für die insolvente KirchMedia in die nächste Runde kommen. Sieben Gebote liegen dem Insolvenzverwalter vor – nun muss geprüft werden, welche Interessentengruppen genauer in die Bücher von KirchMedia schauen dürfen.

Anders als die "Financial Times Deutschland" berichtete, schreibt die Nachrichtenagentur AFP, der französische Fernsehsender TF1 zähle weiterhin zu den Bietern für Vermögenswerte der insolventen KirchMedia. Aus Kreisen des Fernsehsenders hieß es, TF1 sei für die am Mittwoch beginnende zweite Phase der Prüfung der KirchMedia-Bücher ("Due Dilligence")zugelassen worden. Dabei wird der Wert der zum Verkauf stehenden Unternehmensteile ermittelt. Definitive Angebote könnten erst nach Abschluss der Due Dilligence abgegeben werden.

TF1 im Konsortium

Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor berichtet, bei der Auswahl der Bieter zeichne sich ab, dass bestenfalls drei Offerten die Chance auf einen erfolgreichen Verkauf böten. Die zeitweise hoch gehandelten Einzelgebote des amerikanischen Milliardärs Haim Saban sowie des börsennotierten französischen Senders TF1 sollen dem Bericht zufolge nicht weiter verfolgt werden. Die Zeitung beruft sich dabei auf Branchenkreise. Der Sender wiedersprach dem Bericht ausdrücklich.

Wie es in dem Blatt weiter hieß, werde das angesetzte Auswahlverfahren der neuen Geschäftsführung der KirchMedia zu einer Formalie. "Eine wirklich substanzielle Auswahl wird es mangels Alternativen nicht geben", zitiert das Blatt einen mit dem Bieterverfahren Vertrauten.

Das französische Unternehmen geht derweil davon aus, letztlich innerhalb eines Konsortiums für KirchMedia ein endgültiges Gebot abzugeben. An diesem beabsichtige sich TF1 mit 20 bis 30 Prozent zu beteiligen. Auch in der "FTD" hieß es, ein Verbleiben von TF1 innerhalb eines Konsortiums sei nicht ausgeschlossen worden.

Solides Angebot von Commerzbank und Sony

Wirklich solide erscheine die Offerte der Frankfurter Commerzbank, die mit dem Hollywood-Studio Columbia Pictures (Sony) an einer Übernahme der Insolvenzmasse arbeite. Sowohl das Management von Columbia als auch die Chefetage der Commerzbank unterhielten weiterhin gute Kontakte zu Leo Kirch.

Zum Angebot des Konsortiums der Verlage Springer und Bauer mit der HypoVereinsbank gebe es bezüglich des genauen Teilnehmerkreises und des Inhaltes noch viele Fragen. Das dritte solide Angebot dürfte von dem amerikanischen Medienriesen Viacom stammen, der unter anderem die Sender MTV und CBS sowie das Hollywood-Studio Paramount betreibt.

Dass TF1 als Einzelanbieter wegfalle, dürfte dem Bericht zufolge vor allem die kleinen Gläubiger der KirchMedia ärgern. Der französische Sender sei der einzige Bieter gewesen, der seinen Kaufpreis voll und ganz hätte bezahlen müssen. Alle anderen hätten in ihren Offerten von vornherein klar gemacht, dass sie bei einem Zuschlag ihre angemeldeten Millionenforderungen vom Preis abziehen wollten.

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