GEZ Zu schön, um wahr zu sein

Genau 58,84 Euro schuldet Ihnen die GEZ wegen illegaler Gewinne, behauptet derzeit eine massenhaft verbreitete E-Mail. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Und genau das ist es auch: Das Gericht, das dieses Urteil gesprochen haben soll, gibt es nämlich gar nicht.

Hamburg - Ganz im Gegensatz zu dem, was man normalerweise fühlt, wenn man unaufgefordert zugesandte E-Mail ("Spam") erhält, verbreitet derzeit ein Massenmailing Freude in deutschen Landen: Schadenfreude.

Denn mit dem hoffnungsfrohen Betreff "Geld zurück von der GEZ" schneit da eine Nachricht herein, auf die wir alle doch schon seit Jahren gewartet haben: Nein, noch nicht die von der freiwilligen Selbstauflösung der Gebühreneinzugszentrale GEZ, an die wir (fast) alle unsere Rundfunksteuer, die man so aber nicht nennen darf, entrichten.

Aber immerhin die Geschichte von einem Urteil, das auch den staats-skeptischsten Fernsehverächter wieder den Glauben in die Gerechtigkeit zurückgeben könnte: Das Oberlandesgericht Augsburg, steht da zu lesen, habe entschieden, das die Gebührenzahler an jedem unerlaubterweise erwirtschafteten Gewinn der GEZ zu beteiligen sei. Und darum dürfe man nun per Fax-Forderung oder Brief seinen Anspruch auf 58,84 Euro aus einem solchen illegalen Milliardengewinn anmelden.

Bei der GEZ klingeln die Telefone Sturm

Das ist schön und erfreut, wenn auch nicht in Köln: Dort ist aber auch jede Dame der GEZ-Hotline mit dem Fall vertraut. Kein Wunder aber auch, denn seit Tagen klingelt es immer öfter: Wann das angefangen habe, sei schwer zu sagen, aber inzwischen gehe auf jeden Fall "die Post ab".

Trotzdem müssen die freundlichen GEZ-Damen und Herren ihre so völlig ungewohnt fröhlich gestimmten Anrufer enttäuschen: "Das zitierte Gericht gibt es gar nicht. Das ist völliger Unsinn".

Vom Sinn des Unsinns

Das ist Ansichtssache: Unsinn ist, dass ein Gericht ein solches Urteil gefällt hätte. Kein Unsinn ist, das die aus der GEZ-Gebühr finanzierten Sender mitunter satte Gewinne erwirtschaften: ARD-Chef Fritz Pleitgen musste noch im Frühjahr förmlich protestieren, als die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) ihm seinen Wunsch nach nur noch 175 Millionen GEZ-Euro zum Ausbau von ARD Online unter anderem deshalb abschmetterte, weil sein Haussender WDR angeblich 1,25 Milliarden Mark Profit erwirtschaftet hätte.

Stimmte aber gar nicht, sagte Pleitgen, könnte man so nicht sehen - und musste sich am Ende trotzdem mit einem Trostpflästerchen von nur 45 Millionen Euro bescheiden.

Aufforderung zum Weiterleiten am besten ignorieren

Aber das ist ein anderes Thema: Die GEZ jedenfalls hat nicht vor, irgendwelche Überschüsse aus versehentlich die Finanzplanung überschreitenden Einforderungen an die Zahler zurück zu zahlen. Darum ist die perfide Aufforderung am Ende der GEZ-Spam-Mail auch zu ignorieren: "Bitte möglichst viele Kopien an Verwandte, Freunde und Bekannte weiterleiten, damit die Fernsehgebühren auch ihnen erstattet werden."

Die Mail ist leider ein Hoax, ein (immerhin guter) Witz. Schade drum, aber man soll die Hoffnung nie aufgeben. Vielleicht löst sich die GEZ ja doch noch auf.

Die GEZ-Hoaxmail im Volltext: Nur zur Ansicht, bitte nicht weiterleiten!

Vorsicht: Fälschung!

Folgender E-Mail-Hoax kursiert derzeit. Alle Angaben sind falsch und entbehren jeder Grundlage:

    "Betreff: Geld zurück von der GEZ

    Rückerstattung von Rundfunk- und Fernsehgebühren Die öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland ARD und ZDF haben im Frühjahr einen Gewinn von über 1 Mrd. DM erwirtschaftet. Dieses ist gemäß Bundesverfassungsgericht unzulässig.

    Das Oberlandesgericht Augsburg hat am 10.01.1998 entschieden,daß an diesem Gewinn der Gebührenzahler, der mit seinem Beitrag den Gewinn ermöglicht hat, zu beteiligen ist. Es müssen nach Urteil jedem Antragsteller rückwirkend für die Jahre 1997,1998 und 1999 je Quartal ein Betrag von DM 9,59 (insgesamt 115,08 DM) enspr. Euro 58,84) erstattet werden.

    ACHTUNG! Dieses Gerichtsurteil wurde vom Bundesgerichtshof am 08.04.1998 bestätigt! Die Erstattung braucht allerdings nur auf Antrag vorgenommen zu werden. Der Antrag ist schriftlich oder per Fax an die GEZ zu stellen.

    GEZ
    5???? Köln
    Fax.: 0180-5??? ?? ?

    Bitte möglichst viele Kopien an Verwandte, Freunde und Bekannte weiterleiten, damit die Fernsehgebühren auch ihnen erstattet werden."

Diesem subversivem Vorschlag lässt der Verfasser noch ein passendes Faxformular folgen, das die angebliche Rückzahlung von GEZ-Gebühren vereinfachen soll:

    "Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit beantrage ich die Rückerstattung von Beiträgen der je vier Quartale für die Jahre 1997, 1998 und 1999 mit einem Betrag von je DM 9,59 je Quartal.

    Ich beziehe mich auf das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 08.04.1998

    GEZ Nr.:

    Name, Vorname:

    Straße:

    PLZ, Ort:

    Geldinstitut:

    BLZ:

    Konto-Nr.:"

Die hier zitierte E-Mail ist eine Fälschung, ein Hoax. Die GEZ zahlt keine Gebühren zurück. Es gibt weder das betreffende Urteil noch das zitierte Gericht.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.