Quam Ausgefunkt

Das 3G-Konsortium will die Aktivitäten im deutschen Mobilfunkmarkt vorläufig einstellen. Der Anbieter Quam steht damit vor dem Aus. Offen ist, was mit den teuer ersteigerten UMTS-Lizenzen passieren wird.

Madrid/Helsinki – Der Mobilfunkanbieter Quam ist am Ende. Das hinter dem Unternehmen stehende 3G-Konsortium, bestehend aus den Telekomkonzernen Telefonica Moviles (Spanien)  und Sonera Oyj (Finnland) , will die laufenden Mobilfunk-Aktivitäten in Deutschland einstellen. Betroffen seien die seit sieben Monaten laufenden GSM- und GPRS-Aktivitäten, teilte Telefonica bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Mittwoch in Madrid mit.

Die insgesamt 16 Quam-Shops in mehreren deutschen Großstädten werden geschlossen, Arbeitsplätze in nicht genanntem Umfang abgebaut. Die knapp 200.000 Kunden sollen nach Angaben von Telefonica von anderen Anbietern übernommen werden.

Offen bleibt, was mit der für mehr als acht Milliarden Euro ersteigerten UMTS-Lizenz von Quam passiert. Nach Telefonica-Angaben werden die Aktivitäten lediglich bis zur Marktreife des Mobilfunkstandards eingestellt. Es handele sich nicht um einen endgültigen Rückzug. Auch in Österreich, Italien und der Schweiz stoppen Telefonica und Sonera das UMTS-Geschäft.

Ob die Unternehmen die Lizenz halten können, beurteilen Branchenkenner allerdings skeptisch. Sollten die Auflagen zum Netzaufbau nicht erfüllt werden, bleibt Quam demnach nur die Fusion mit einem Wettbewerber oder die Rückgabe der UMTS-Lizenz. Die Regelungen sehen vor, dass bis Ende 2003 ein Viertel der Bevölkerung von dem jeweiligen Anbieter erreicht werden muss. Bei Nichterfüllung droht der Verlust der Lizenz.

Zumindest bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation haben die Verantwortlichen den Glauben an Quam in dieser Hinsicht noch nicht verloren. "Wir gehen davon aus, dass der Lizenznehmer die Auflagen erfüllt", sagte Behörden-Sprecher Rudolf Boll auf Anfrage von manager-magazin.de.

Sollte der Ausbau scheitern, könnte nur der Verkauf das 3G-Konsortium vor einem Totalschaden bewahren. Aber auch eine Veräußerung gestaltet sich derzeit äußerst problematisch. "Ich wüsste nicht, wer Quam kaufen sollte", sagte Jason Chapman, Mobilfunkexperte der Gartner Group. "Es ist ein bisschen schwierig, den Nutzen einer solchen Übernahme für den Käufer zu erkennen."

Erwarteter Zusammenbruch

Der Zusammenbruch von Quam überrascht nicht. Schon nach der vorläufigen Ablösung von Quam-Chef Ernst Folgmann Anfang Juli gab es erste Gerüchte über das drohende Aus. "Für Telefonica könnte es billiger sein, die gemeinsam mit Sonera erworbene deutsche UMTS-Mobilfunklizenz zurückzugeben", erklärt Branchenkenner Chapman den jetzt angekündigten Rückzug.

Schon als Quam im August 2000 die Konzession ersteigerte, äußerten sich Analysten skeptisch zu den Erfolgsaussichten des Neueinsteigers auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Für Lars Godell, Telekomexperten von Forrester Research, hatte das Geschäftsmodell von Quam von vornherein nicht viel Aussicht auf Erfolg. "Gerade in einem gesättigten Markt sind die Kosten für Kundenbindung und Kundenneugewinnung hoch."

Es gebe nur 385 Millionen potenzielle Mobilfunkkunden in Westeuropa. Von daher seien die Wachstumsaussichten beschränkt. Die Konkurrenz profitierte von dem Rückzug. Die Aktie der Deutschen Telekom  lag am Mittwoch teilweise mit zwölf Prozent im Plus.

Sonera reagierte auf die Rückzugsankündigung des spanischen Partners mit Verstimmung. Das finnische Unternehmen, das mit 42,8 Prozent an Quam beteiligt ist, erklärte, der Konsortialpartner habe die Informationen zur Group 3G "früher als vorgesehen" veröffentlicht. Am Donnerstagmorgen zog Sonera jedoch nach und erklärte seinerseits, dass die Aktivitäten eingestellt werden. "Die Geschäftsstrategie ist nicht länger machbar", hieß es zur Begründung.

Telefonica im freien Fall

Telefonica im freien Fall

Die Eile, mit der sich Telefonica vom UMTS-Geschäft vorläufig verabschiedete, hat gute Gründe. Wie das Unternehmen am Mittwochabend bekannt gab, fiel für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres ein Nettoverlust von 5,6 Milliarden Euro an - nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr.

Telefonica begründete den Verlust unter anderem mit außerordentlichen Abschreibungen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro auf die von der Mobilfunktochter Moviles erworbenen UMTS-Lizenzen. Der konsolidierte Umsatz ging vor allem wegen des schleppenden Lateinamerika-Geschäfts binnen Jahresfrist um 4,4 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich ebenfalls um 4,4 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn fiel um 8,1 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro.

Personelle Konsequenzen

Die schlechte Halbjahresbilanz hatte personelle Konsequenzen. Moviles-Chef Luis Lada musste seinen Posten auf Druck des Telefonica-Verwaltungsrates verlassen und kümmert sich fortan um Planungs- und Regulierungsfragen. Nachfolger ist Antonio Viana, der bisher in der Sparte Telefonica Internacional aktiv war.

Auch Sonera hat im zweiten Quartal rote Zahlen geschrieben. Der operative Verlust betrug 303 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 626 Millionen Euro erzielt wurde, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Helsinki mit. Der Verlust je Aktie belief sich auf 2,63 Euro nach einem Gewinn je Aktie von 0,56 Euro im Vorjahr. Der Umsatz betrug 548 Millionen Euro und lag damit leicht unter dem Vorjahresniveau.