Worldcom Noch werden die E-Mails versendet

Der Betrieb der Telefonnetze ist vorerst gesichert. Sollten jedoch Konzernbereiche verkauft oder gar abgeschaltet werden, muss erst die US-Kartellbehörde ihren Segen geben.

New York – Verschwindet die skandalgeschüttelte Telefongesellschaft Worldcom bald von der Bildfläche? Nicht, wenn es nach John Sigmore geht, dem neuen Chef des angeschlagenen Konzerns. Am Montag hat das Unternehmen Gläubigerschutz nach Chapter 11 in den USA beantragt. Sigmore will aber schon bald gestärkt aus dem Insolvenzverfahren hervorgehen.

Doch die Erfahrung macht skeptisch. Die Insolvenz des Kabelnetzbetreibers KPNQwest führte trotz Veräußerungen dazu, dass Teile des Kabelnetzes abgeschaltet wurden. Dass jedoch von heute auf morgen das weit verzweigte Worldcom-Netz stillgelegt werden könnte, davon ist nicht auszugehen. Denn erst mit Zustimmung der US-Regulierungsbehörde für Telekommunikation darf die zweitgrößte US-Telefongesellschaft Dienste einstellen oder verkaufen.

Worldcom wickelt rund 70 Prozent des E-Mail-Verkehrs in den USA ab. Weltweit zählt der Konzern 21 Millionen Kunden – darunter die US-Regierung in Washington, Toyota, Citicorp und BP. In Europa hat das Unternehmen rund 500.000 Kunden.

Sollte Worldcom nun planen inländische Telefondienste abzuschalten oder zu veräußern, muss der Konzern mindestens 30 Tage vorher die Zustimmung der Behörde einholen, teilte die Federal Communications Commission (FCC) mit. Bei internationalen Diensten gilt sogar eine Frist von 60 Tagen.

Neue Runde im Preiskampf?

Ob Worldcom tatsächlich gestärkt aus dem Insolvenzverfahren heraustritt, wird sich zeigen. Während die Mitbewerber ihr Terrain neu abstecken wollen, hat sie zunächst eines aufgeschreckt: Die Ankündigung, der insolvente Konzern werde alles tun, um seine Kunden zu halten – insbesondere die großen Unternehmen. Droht nun ein neuer Preiskrieg im Telefonmarkt?

Experten raten den Worldcom-Kunden unterdessen, sich nach alternativen Dienstleistern umzuschauen. Zwar sei derzeit sichergestellt, dass die Telefon- und Internetnetze der Telefongesellschaft weiter funktionierten. Der Antrag auf Gläubigerschutz eröffne den Kunden jedoch auch die Möglichkeit, Verträge vor Ablauf für ungültig zu erklären.

Zwischenfinanzierung

Vorerst kann das Unternehmen aber seine Dienste weiter anbieten. Das Konkursgericht in New York hat eine Zwischenfinanzierung in Höhe von zwei Milliarden Dollar genehmigt. Damit sollten die nächsten Wochen gesichert sein. Zudem soll auch ein unabhängiger Ermittler eingesetzt werden, der die Bilanzunregelmäßigkeiten des Konzerns untersuchen soll.

Worldcom geriet vor rund vier Wochen in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass es Kosten als Investitionen gebucht hatte. Der Konzern konnte dadurch seinen Gewinn um insgesamt 3,8 Milliarden Dollar aufblähen.

Worldcom: Es wackelt im Web

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.