Pixelnet/Photo Porst Haste mal 'ne Mark?

Matthias Sawatzky glaubte offenbar an ein richtiges Schnäppchen. Ein Unternehmen, das 500 Millionen Mark umsetzte, stand für eine Mark zum Verkauf. Doch der Pixelnet-Gründer hat sich verkalkuliert. Geht Photo Porst nun endgültig zu Grunde?

Wolfen - Der Vorstandschef der im sachsen-anhaltinischen Wolfen ansässigen Pixelnet AG mochte sich das vermeintlich günstige Angebot nicht entgehen lassen. Im Februar 2001 kaufte die am Neuen Markt notierte Pixelnet die Traditionsfirma Photo Porst in Schwabach bei Nürnberg.

Knapp eineinhalb Jahre später sind sowohl Porst als auch Pixelnet pleite. Sawatzky scheiterte an einer Sanierungsaufgabe, die etliche Nummern zu groß für ihn war.

Dass Porst so günstig zu haben war, hatte einen Grund: Das Unternehmen schrieb hohe Verluste. Vor Pixelnet hatten sich bereits drei Porst-Eigentümer vergeblich am Turnaround versucht.

Sawatzky wollte Porst als zusätzlichen Vertriebsweg für Pixelnet nutzen. Pixelnet bietet Dienstleistungen rund um die elektronische Fotografie an. Wer Bilder mit einer Digitalkamera knipst, kann sich die Schnappschüsse von Pixelnet ausdrucken oder auf eine CD brennen lassen. Bislang wird dieser Service meist nur auf dem Versandweg angeboten. Bald schon, so Sawatzkys Vision, sollten auch die Porst-Geschäfte die Drucke vom digitalen Bild offerieren.

Wenig Pflichten für die Franchisenehmer

Kein schlechter Plan, doch leider übersah Sawatzky einige Besonderheiten der Porst'schen Firmenstruktur. Die 2000 Franchisenehmer, also die Betreiber der einzelnen Porst-Läden, besitzen viele Rechte und kaum Pflichten.

Zum Beispiel müssen sie nicht bei Porst einkaufen, sondern können sich auch bei anderen Fotogroßhändlern bedienen. Folge: Bei Porst wuchsen die Lager auf bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes an. Regelmäßig gab es hohe Abschreibungen - weil die Filialen sich mal wieder andernorts billiger eingedeckt hatten.

Zudem ist die Porst-Zentrale im Verhältnis zum Umsatz des Unternehmens hoffnungslos überdimensioniert. Langfristige Leasingverträge für die Firmenzentrale machen es jedoch schwer, von den hohen Verwaltungskosten herunterzukommen.

Bereits der Kauf von Porst glich unter diesen Umständen einem Himmelfahrtskommando. Nur ein rascher Turnaround hätte das Unternehmen vielleicht retten können. Die dazu erforderlichen Schritte lagen auf der Hand: Franchiseverträge neu aushandeln, Lagerhaltung reduzieren, Verwaltungskosten kappen so gut es eben geht.

Sawatzky unter Verdacht

Sawatzky unter Verdacht

Doch statt das Naheliegende zu erledigen, verlor sich Sawatzky in einer lähmenden Privatfehde mit seinem damaligen Aufsichtsratschef Hans Dieter Lindemeyer - und vertändelte die Sanierung von Porst.

Der Streit zwischen den beiden Unternehmern geht zurück auf das Jahr 1998. Damals hatte Lindemeyers eigene Unternehmensgruppe von Sawatzky die Batavia AG gekauft, eine Computerhandelsgesellschaft in der Nähe von Passau.

Im April 2001 geriet die Batavia in den Verdacht, unter Sawatzkys Führung Teil eines europaweit agierenden Rings von Umsatzsteuerbetrügern gewesen zu sein. Bis heute konnte Sawatzky keine Mitwisserschaft an den Gaunereien nachgewiesen werden, doch der neue Batavia-Eigentümer Lindemeyer hatte das Vertrauen in Sawatzky verloren.

Die Batavia war zu diesem Zeitpunkt dummerweise bereits als Großaktionär bei Pixelnet eingestiegen, Lindemeyer hatte sich gar zum Pixelnet-Aufsichtsratsvorsitzenden wählen lassen.

Erbitterter Machtkampf

Zwischen den beiden Großegozentrikern Sawatzky und Lindemeyer kam es bei Pixelnet fortan unablässig zu Streitereien. Sawatzky nahm es Lindemeyer zum Beispiel übel, dass der einen Teil seiner Pixelnet-Aktien verkaufte, ohne Sawatzky vorab zu informieren. Lindemeyer wiederum beschuldigte Sawatzky, Pixelnet am Aufsichtsrat vorbei zu regieren.

Im Dezember 2001 trat Lindemeyer entnervt vom Aufsichtsratsvorsitz bei Pixelnet zurück. Doch auch mit Lindemeyers Nachfolger konnte sich Sawatzky nicht über die immer dringlichere Sanierung der Tochterfirma einigen. Wenige Monate nach Lindemeyers Abschied gab Sawatzky seinen Posten auf. Neuer Vorstandschef wurde Gerhard Köhler, früher schon einmal Finanzvorstand bei Pixelnet und ein enger Vertrauter Lindemeyers.

Millionen verbrannt

So wogte bei Pixelnet der Machtkampf zwischen der Lindemeyer- und der Sawatzky-Fraktion auch ohne die jeweiligen Anführer munter weiter. Die Sanierung von Porst geriet hingegen in Vergessenheit. Die hochdefizitäre Fotokette verbrannte Millionen von Euro, doch niemanden bei Pixelnet schien das so recht zu interessieren. Man war schließlich mit sich selbst beschäftigt.

Ende Juni musste Porst die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragen. Da Sawatzky den laufenden Betrieb von Porst mit Bürgschaften und Krediten von Pixelnet in zweistelliger Millionenhöhe finanziert hatte, brach auch die Muttergesellschaft zusammen. Anfang Juli beantragte Pixelnet Insolvenz. Mit Pixelnet stirbt nicht nur ein weiteres schlecht geführtes Unternehmen am Neuen Markt. Es stirbt auch die einzige börsennotierte Aktiengesellschaft in Sachsen-Anhalt, Hoffnungsträger einer ganzen Region.

Photo Porst hat nur eine Mark gekostet. Doch Pixelnet musste für die Übernahme einen hohen Preis zahlen.

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