Intel 4000 müssen gehen

Der Chiphersteller steckt in der Krise. Weil die PC-Nachfrage weiter schwach ist, drohen jetzt Massenentlassungen. Derweil bereitet Intel-Chef Craig Barrett offenbar den Angriff auf den Markt der Handy-Chips vor.

San Jose/Hamburg - Der Chiphersteller Intel hat am Dienstag die Streichung von 4000 Arbeitsplätzen angekündigt. Zuvor hatte das Unternehmen erklärt, der Gewinn werde im zweiten Quartal geringer ausfallen als erwartet.

Intel, der größte Hersteller von Halbleitern in der Welt, hatte zum Ende des ersten Quartals rund 83.000 Mitarbeiter. Ende des Jahres 2000 waren es noch 86.000. Im Quartal, das am 29. Juni zu Ende ging, verdiente Intel 446 Millionen Dollar, oder sieben Cents pro Aktie. Analysten hatten mit elf Cents pro Aktie gerechnet. Besonders die sinkende Nachfrage nach PCs in Europa macht dem Chiphersteller zu schaffen, die IT-Ausgaben der Unternehmen haben nicht wesentlich zugenommen.

Strategiewechsel

Auf Grund der desolaten Lage im PC-Bereich will sich Intel nun auf andere Marktsegmente konzentrieren. Intel-Chef Craig Barrett kündigte bereits an, in Zukunft vermehrt auf Halbleiter für Mobiltelefone zu setzen. Konkurrenten befürchten, dass der Konzern dabei ähnlich aggressiv vorgehen wird wie im Bereich der Computerchips. Schon jetzt arbeitet Barrett offenbar daran, die Produktionsweisen für beide Bereiche zu vereinheitlichen und damit die Kosten zu senken.

Branchenkenner begrüßen grundsätzlich die Neuausrichtung. "Wenn Intel ein respektables Wachstum vorweisen will, müssen mehr Impulse von außerhalb des PC-Sektors kommen", sagte ein Börsianer gegenüber dem Wirtschaftsdienst "Bloomberg".

"Der Kuchen ist verteilt"

Leicht wird es indes nicht. Bis dato macht der Kommunikationsbereich weniger als zehn Prozent der Einnahmen von Intel aus. Zudem musste das Unternehmen im ersten Quartal hier Einbrüche um 33 Prozent bei den Verkäufen verbuchen. Der Erfolg des Strategiewechsels wird entsprechend skeptisch gesehen. Etablierte Konkurrenten wie Texas Instruments und Motorola haben bereits feste Bindungen zur Kundschaft aufgebaut.

Besonders Motorola hat sich durch verschiedene Kooperationen, beispielsweise mit Infineon und Siemens, gut positioniert. Zudem konnte der IT-Konzern in den vergangenen drei Monaten vor Sonderposten zum ersten Mal nach fünf verlustbringenden Quartalen hintereinander überraschend einen Gewinn verbuchen.

Analysten sehen entsprechend wenig Spielraum für Intel. "Diesen Kampf müssen sie auf fremdem Boden austragen. Das ist ein ganz anderes Schlachtfeld als bisher", sagte ein Aktienhändler gegenüber "Bloomberg". Problematisch ist vor allem die Dominanz der Konkurrenz. "Das wird sehr schwer. Der Kuchen im Bereich der Kommunikationschips ist verteilt", urteilte Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck, gegenüber manager-magazin.de.

Möglichkeiten für einen erfolgreichen Einstieg sieht Kitz höchstens beim Mobilfunk der dritten Generation im asiatischen Raum. "Billiganbieter, vor allem in China, ohne eigenen Markennamen könnten auf das bekannte Label von Intel setzen", so der Analyst.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.