Vivendi Universal "Ich gehe"

Jean-Marie Messier beendet die Spekulationen um seine Person. Der umstrittene Vivendi-Chef kündigte am Dienstag an, seinen Posten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Vivendi möglicherweise die Bilanzen gefälscht hat. Der Börse reagierte mit massiven Kursverlusten.

Paris - Der umstrittene Vorstandsvorsitzende von Vivendi Universal , Jean-Marie Messier, bestätigte die Gerüchte um seine vorzeitige Ablösung und kündigte selbst seinen Rückzug aus dem Misch- und Medienkonzern an. "Ich gehe, damit Vivendi überleben kann", sagte Messier am Dienstag der französischen Tageszeitung "Le Figaro". Offiziell wird das Schicksal des Vivendichefs am Mittwoch in einer Sondersitzung des Verwaltungsrates entschieden.

Der selbstbewusste Konzernlenker hatte zuletzt die Unterstützung im Verwaltungsrat verloren. Nachdem sich zuvor bereits die amerikanischen Mitglieder des Gremiums gegen Messier gestellt hatten, drängten ihn am Wochenende offenbar auch die bis dahin loyalen französischen Verwaltungsräte zum Rückzug.

Als Nachfolger an der Spitze des Mischkonzerns, dessen Mediensparte weltweit die Nummer zwei hinter AOL Time Warner  ist, wird der Vize-Chef des Aufsichtsrats des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis, Jean-René Fourtou (63) gehandelt. Der Ex-Chef der ehemaligen Rhone-Poulenc war nach der Fusion des Unternehmens mit Hoechst zum Aventis-Konzern vom Vizevorstandsposten in den Aufsichtsrat gewechselt.

Hektische Käufe und Verkäufe

Als Grund für den plötzlichen Solidaritätsverlust werden massive Aufkäufe des Vivendi-Kapitals genannt. Innerhalb weniger Tage haben nach den Kursverlusten der vergangenen Woche rund ein Zehntel der Konzernaktien den Besitzer gewechselt.

Französische Unternehmenskreise befürchten, dass Vivendi-Großaktionäre um den Bronfman-Clan hinter der Aktion stecken. Die Amerikaner befürworten demnach die Zerschlagung des Konzerns. Die Aktienzukäufe könnten die Vorbereitung dafür sein.

Fatale Expansionsstrategie

Der ehemalige Investmentbanker Jean-Marie Messier rückte 1996 an Spitze des französischen Wasserversorgers Compagnie Générale des Eaux. Innerhalb weniger Jahre baute er das Traditionsunternehmen durch milliardenschwere Übernahmen zu einem globalen Konzernimperium mit etwa 380.000 Beschäftigten aus, das in die Weltspitze der Medien- und Telekommunikationsbranche aufrückte.

Ein zentraler Schritt bei der Expansion war die Fusion mit der kanadischen Seagram-Gruppe zum neuen Mischkonzern Vivendi Universal. Seagram, das zum Großteil im Besitz des Bronfman-Clans war, steuerte die weltgrößte Musikfirma Universal Music Group und das Hollywoodstudio Universal bei. Erst im vergangenen Jahr kam für etwa elf Milliarden Euro die Film- und Fernsehsparte US-Networks hinzu.

Zugleich musste Vivendi Universal 2001 durch Rekordabschreibungen den höchsten Verlust ausweisen, den jemals ein Unternehmen in Frankreich verbucht hatte: minus 13,6 Milliarden Euro bei einem Jahresumsatz von rund 57 Milliarden Euro. Insgesamt beliefen sich die Schulden des Konzerns zuletzt auf etwa 19 Milliarden Euro.

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