Musikbörse Deutscher Testballon

Der Musikkonzern Universal will in Deutschland mit einem kommerziellen Online-Musikservice versuchen, dem P2P-Boom Paroli zu bieten. "Popfile" will ab Anfang August brennbare Musik für 99 Cent pro Download bieten.

Der Musikkonzern Universal will am 9. August ein eigenes deutsches Internet-Musikangebot starten. Bei "Popfile" sollen zum Start zunächst 5000 Titel für 0,99 Euro pro Stück zur Verfügung stehen, sagte der Deutschland-Chef Tim Renner der "Berliner Morgenpost".

Mit Hilfe von Kopierschutztechnologie will das Unternehmen verhindern, dass ein heruntergeladenes Stück mehr als einmal auf einen Datenträger gebrannt wird. Natürlich sei jeder Kopierschutz zu knacken, sagte Renner. "Aber wir müssen immer einen Schritt voraus sein."

Noch im Frühjahr hatte das Unternehmen nach Presseberichten geplant, Musik ohne Kopierschutz ins Netz zu stellen. Trotz jahrelangem Rechtsstreit mit verschiedenen Online-Tauschbörsen wie Napster, MP3.com oder aktueller dem Fasttrack-Netzwerk oder Audiogalaxy hatten sich die großen Musikkonzerne bislang schwer getan, eigene Angebote ins Netz zu stellen und an die Popularität der Tauschbörsen anzuknüpfen.

Industrie-Erfolge verpuffen

Die ersten Angebote der Musikindustrie wirkten durchweg halbherzig und für die Fans nicht akzeptabel: Entweder erlaubten es die angebotenen Datenformate nicht, CDs aus den Dateien zu brennen, oder aber die Preise waren so hoch, dass der Kauf im Laden billiger gewesen wäre als der Download.

Der P2P-Boom geht mittlerweile unvermittelt und ungebremst weiter. Erfolge der Industrie vor Gericht verpuffen wirkungslos, weil zeitgleich immer neue P2P-Angebote entstehen. Seit einigen Wochen scheint die Musikindustrie nun auf gezielte Sabotage von P2P-Börsen zu setzen.

Auch das dürfte jedoch nicht genügen, das P2P-Problem zu lösen, wenn die Industrie nicht zugleich attraktive, bezahlbare Alternativen bietet. Schon sollen erste funktionierende "Fake-Filter" im Einsatz sein, die von der Industrie lancierte unbrauchbare Dateien aufspüren können sollen.

Als erster kommerzieller Anbieter der Musikindustrie hatte Mitte Dezember der US-Softwarehersteller Real Networks mit Musiktiteln des Musicnet-Katalogs der drei Branchenriesen Bertelsmann Music Group (BMG), AOL Time Warner und EMI seinen Dienst gestartet.

Wenige Tage später folgten Sony und der französische Mischkonzern Vivendi Universal mit ihrem Abo-Dienst Pressplay. Die Nutzung der Musikstücke ist bei allen Angeboten jedoch limitiert, kommerzielle Erfolge blieben bislang aus.

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