Pixelnet Vor dem entgültigen Zusammenbruch?

Desaster - der Fotodienstleister und seine Tochter Orwo beantragen Insolvenz.

Wolfen/Schwabach – Nach Photo Porst hat auch die Muttergesellschaft Pixelnet  Insolvenz beantragt. Das teilte der börsennotierte Fotodienstleister am Montag mit. Der Gang zum Amtsgericht Dessau sei notwendig geworden, weil die vorgesehene Rückführung von Darlehen durch die Tochter Photo Porst an die Muttergesellschaft nicht beziehungsweise nicht fristgerecht erfolgen könne. Neben Pixelnet beantragte auch die 100-prozentige Tochter Orwo Insolvenz.

Erst in der vergangenen Woche hatte das Tochterunternehmen Photo Porst den Gang zum Amtrichter eingeschlagen und Insolvenz beantragt. Pixelnet hatte die Einzelhandelskette Anfang 2001 zum symbolischen Preis von einer Mark übernommen. Stand damals noch der Deal unter dem Motto "Online kauft Offline", stellt sich nun heraus, dass die Akquisition ein Fehlschlag war - fatalen Folgen. Nun laufen die Bemühungen, den fränkischen Fotofilialisten mit rund 1100 Mitarbeitern und 400 Franchise-Nehmern zu retten.

Missmanagement?

Photo Porst erlöst zwar etwa zehnmal so viel wie das Mutterunternehmen, doch in die schwarzen Zahlen kam Pixelnet damit nicht auf Dauer. Kritiker hatten dem Unternehmen immer wieder vorgeworfen, dass die Kosten der Einzelhandelskette zu hoch seien. Mitte vergangener Woche hieß es nun, Pixelnet könne die Umstrukturierungskosten nicht mehr finanzieren. Photo Porst musste zum Amtsrichter. Das Jahr 2001 schloss Pixelnet noch mit einem Überschuss ab, doch die Zahlen für das erste Quartal 2002 waren ernüchternd. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte auf minus 7,3 Millionen Euro.

In der Folge trat Pixelnet-Vorstandschef Matthias Sawatzky zurück, um "strukturellen Veränderungen den Weg frei zu machen". Auf seinen Platz folgte der Finanzvorstand Gerhard Köhler. Walter Kroha, Georg Kellberger und Patrick Palombo saßen ebenfalls noch im Vorstand. Kroha und Palombo haben jedoch Presseberichten zufolge diese Plätze schon wieder geräumt.

Orwo beim Amtsrichter

In der vergangen Woche schloss Pixelnet auch sein Kompetenzzentrum niederbayerischen Tiefenbach. Wie es heißt, sollen dort 25 Mitarbeiter bereits entlassen worden sein. Der Justizar von Pixelnet kritisierte diese Entscheidung als "kopflos". Die Pixelnet-Aktie sackte am Freitag deutlich ab.

Neben Pixelnet beantragte auch die Tochter Orwo Media GmbH wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Dessau Insolvenz. Pixelnet – bald so farblos wie die Schwarzweißfilme der Marke Orwo? Unter Druck geriet im Zuge des Niedergangs von Pixelnet auch der PC-Hersteller Lintec . Das Leipziger Unternehmen hält über Batavia Multimedia noch rund 17 Prozent an dem früheren Lintec-Ableger Pixelnet. Bereits vor zwei Wochen gab der Vorstand der Aktiengesellschaft bekannt, dass er sich auf schrumpfende Geschäfte einstelle.

Rettungsversuch: Pixelnet entlässt Mitarbeiter Zahlungsunfähig: Photo Porst meldet Insolvenz an

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