Vivendi Universal Das Ende der Ära Messier

Aus und vorbei. Jean-Marie Messier ist nicht mehr Vorstandschef von Vivendi Universal. Nach Presseberichten hat der umstrittene Konzernlenker in der Nacht zum Montag sein Amt niedergelegt.

Paris – Der umstrittene Chef des französischen Misch- und Medienkonzerns Vivendi Universal , Jean-Marie Messier, ist nach Informationen von der Zeitung "Le Monde" in der Nacht zum Montag zurückgetreten. Eine Quelle nannte die Zeitung nicht. Messier werde für eine Übergangszeit von sechs Monaten vom bisherigen Vize-Chef des Aufsichtsrats des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis, Jean-Rene Fourtou, abgelöst.

Noch am vergangenen Dienstag ging der Vivendi-Chef knapp als Sieger aus der Sitzung des Verwaltungsrates hervor. Während sich fünf amerikanische Mitglieder des 13-köpfigen Gremiums gegen den umstrittenen Konzernlenker aussprachen, votierten die restlichen französischen Anwesenden für Messier. Der Erfolg hat sich für den umtriebigen Manager als Pyrrhussieg erweisen.

Wie die Pariser Zeitung "Libération" und die Londoner "Financial Times" (FT) am Montag übereinstimmend berichteten, hat Messier nun offenbar auch den Rückhalt bei den Franzosen verloren. Danach gab es zur Trennung von dem Vorstandschef keine Alternative.

An der eigenen Strategie gescheitert

Unternehmenskreise bestätigten am Montag Presseberichte über die geplante Ablösung des 45-Jährigen, der seit Juni 1996 an der Spitze des weltweit zweitgrößten Medienunternehmens steht. Offiziell wollte Vivendi Universal die Berichte jedoch nicht kommentieren. "Die französischen Manager haben ihn fallen gelassen, also kann er sich nicht mehr halten", sagte ein mit dem Vorgang vertrauter Firmenvertreter.

Zum Verhängnis wurde Messiers seine rigorose Expansionsstrategie. In den vergangenen Wochen kritisierten vor allem US-Investoren um den ehemaligen Seagram-Chef Edgar Bronfman jr. die unkontrollierten Akquisitionen.

Aus dem früheren nationalen Wasserversorger Générale de Eaux hatte Messier durch den Zukauf des französischen Bezahlsenders Canal Plus und der kanadischen Gruppe Seagram einen Weltkonzern geschaffen.

Dabei hatte Messier Milliardenschulden aufgehäuft. Zudem machte Vivendi Universal im Jahr 2001 13,6 Milliarden Euro Verluste. Der Kurs der Vivendi Aktien fiel auf den tiefsten Stand seit 1989, die Bonität des Konzerns sank kräftig.

Übertriebene Kursralley?

Die Nachrichten von einem möglichen Ende der Ära Messier wurde an der Börse positiv aufgenommen. "Wenn die Verantwortlichen wieder das Vertrauen bei den Investoren herstellen wollen, müssen sie an der Konzernspitze etwas verändern", sagte ein Fondsmanager gegenüber dem Informationsdienst "Bloomberg".

Entsprechend kletterten die Kurse, nachdem die Gerüchte über den vorzeitigen Ausstieg des Konzernchefs die Runde machten. Am Montagvormittag stiegen die im EuroStoxx-50-Index notierten Papiere um 9,69 Prozent auf 24 Euro.

Die euphorische Reaktion auf einen Wechsel in der Führungsetage wird nicht von allen Branchenkennern geteilt. "An der operativen Performance ändert die Ablösung Messiers grundsätzlich nichts. Hier kann nur die konsequente Entschuldung weitere Fortschritte bringen", sagte Peter Dombeck, Analyst bei der Berenberg Bank, gegenüber manager-magazin.de. "Um sich erneut die Glaubwürdigkeit bei den Investoren zu erarbeiten, wird Vivendi noch einige Monate brauchen", so Dombeck weiter.

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