DFL Kloiber legt nach

Spannendes Bieterpoker - die Entscheidung über die Vergabe der TV-Rechte wird erneut verschoben.

Hamburg/Luzern – Der Dachverband der Bundesligisten, die Deutsche Fußball Liga (DFL), hat die Vergabe der Bundesligarechte am Dienstagabend nach Informationen der "Financial Times Deutschland" erneut verschoben. Die Aufsichtsräte der DFL hätten entschieden, dass vorher weitere Verhandlungen mit dem Rechtehändler Herbert Kloiber geführt werden.

Kloiber habe sein Angebot an die Bundesliga bis Mittwoch 18.00 Uhr verlängert. Das Gremium hatte die Entscheidung zwischen den Offerten Kloibers und des bisherigen Rechteinhabers KirchMedia einige Male verschoben. Kloiber verspreche der Liga mehr Geld als KirchMedia, schreibt die Zeitung. Einzelne Aufsichtsräte seien zudem verärgert gewesen über die Ankündigung von Premiere-Chef Georg Kofler, nur mit KirchMedia abzuschließen.

Kloibers letztes Ass

Der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber hatte im Poker um die Bundesliga-Rechte ein letztes Ass aus dem Ärmel gezogen. Kurzfristig legte seine Firma AIM der DFL ein nochmals verbessertes Angebot für die TV-Vermarktung vor. Die Offerte für einen gestaffelten Vierjahresvertrag bis zum Anpfiff der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland besitzt ein Gesamtvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro. Pro Saison sollen durchschnittlich 320 Millionen Euro TV-Honorar an den Dachverband der 36 Profiklubs gezahlt werden.

"Unser Angebot steht auf einer breiten Basis. Das finanzielle Risiko ist durch eine Bankbürgschaft abgesichert", sagte AIM-Manager Bernard de Roos am Dienstag der dpa. Die in Luzern ansässige Sportmarketingagentur hat der DFL zusätzlich eine Gewinnbeteiligung aus Pay-TV sowie neuen Medien wie UMTS und DSL in Aussicht gestellt.

Als Partner für das frei empfangbare Fernsehen (Free-TV) sitzt die ARD im Boot. Sollte Kloiber den Zuschlag erhalten, könnten die Bundesliga-Erstrechte für die Samstag-Sportschau für 69 Millionen Euro an das Erste verkauft werden.

Das Bieterpoker ohne Ende

Das neue Gesamtangebot für die Bereiche Free-TV, Pay-TV, Neue Medien und Auslandsrechte ist so interessant, dass DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub noch vor der Sitzung des Liga-Vorstandes am Dienstagabend Details mit AIM klärte. Das Bieterpoker ohne Ende

Zweiter Bieter im TV-Poker ist der angeschlagene Medienkonzern KirchMedia. Das insolvente Unternehmen, das der DFL noch 80 Millionen Euro aus der vergangenen Saison schuldet, hat ein Angebot von rund 300 Millionen Euro pro Spielzeit auf den Tisch gelegt. Die Bundesliga-Spiele würden bei dieser Offerte wie bisher bei SAT.1 (Free-TV) und Premiere (Pay-TV) zu sehen sein. Der Beginn von "ran" am Samstag soll von 19 auf 18 Uhr vorgezogen werden.

Knackpunkt bei allen Überlegungen ist der Pay-TV-Bereich. Der einzige deutsche Bezahlsender, Premiere, ist bereit, für die Rechte im Abo-Fernsehen 140 Millionen Euro pro Saison zu zahlen. Auf dieses Geld sind die DFL und die Vereine unbedingt angewiesen. Laut Premiere-Chef Georg Kofler wird sein Sender die Pay-TV-Rechte aber nur von KirchMedia erwerben. Bei einem Vertrag mit dem Konkurrenten Kloiber droht Premiere die Pleite. Die KirchMedia könnte dann Schulden von rund 300 Millionen Euro vom Abo-Sender fordern.

"Wir wollen auch mit Premiere abschließen. Das Bezahlfernsehen hat in Deutschland Zukunft", sagte AIM-Manager de Roos zu der verzwickten Situation. An den Aufbau eines eigenen Abo-Kanals sei zurzeit nicht gedacht. Bis zum Bundesliga-Start am 9. August ist das auch technisch nicht möglich. TV-Experten rechnen mit einer Vorlaufzeit von rund einem halben Jahr, um einen neuen Pay-TV-Sender zu gründen.

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